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Wickel

Moderator: Angelika

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Kräuterfee
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Wickel

Beitragvon Kräuterfee » 10. Jul 2006, 09:18

das Material:
– keine Wolle auf bloßer Haut; sondern Wollstoff als Umhüllung (Bsp.: kalter Wickel)
– betreffs der Tücher: niemals reine „Leinwand“, sondern grobkörniges/~faseriges Leinengewebe (!)
– grundsätzlich ist das Frottieren ist bei Kneipp „out“ (fehlende Öffnung der Poren, geringere eigene Initialisierung der Steigerung der Hauttätigkeit etc. ...)

zum Material bzw. der Anzahl der Tücher als „Streitpunkt“ sei noch gesagt:
– ob 2 oder 3 Tücher ist im Prinzip gleich – ich als „Hausfrau“ schwöre indes auf 3 Tücher, da bei der Verwendung von 2 Tüchern die Ausdünstung in das Woll-/Flanelltuch hineingerät und dann ist es auch nicht in der heutigen Zeit gerade einfach, diese Absonderungen aus Wolle/Flanell zu entfernen. ;-)

Ich verwende also dato zweckmäßig 3 Tücher:
Als erstes auf die Haut ein grobes, nasses Leinentuch, dann darüber ein einfaches poröses Leinentuch, das sogenannte Zwischentuch(dient zur trockenen Bedeckung des feuchten Tuches und auffangen der Aussonderungen) und als Abschlußumwicklung das Woll- oder Flanelltuch.
MfG
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Beitragvon Kräuterfee » 10. Jul 2006, 09:19

Welche Größe der Tücher brauche ich für welchen Wickel ? (in cm)
– Fußwickel, Wadenwickel, Unterschenkelwickel, Kopfwickel 80x80
– Beinwickel 80x130 cm
– Lendenwickel, Brustwickel, Aufschläger 40x180
– Kurzwickel 80x180
– Unterwickel 190x210
– Ganzwickel 190x210
– Schal 150x150
– Handwickel 60x60
– Armwickel 60x80
– Halswickel 10x60

Bei den Kneippschen allseits bekannten Heuauflagen richtet sich die Breite nach der zu behandelnden Körperstelle:
20x25
25x30
25x40
(die Beschreibung der einzelnen Wickel erfolgt noch gesondert; speziell auf das betreffende Körperteil. ;-)
MfG
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Beitragvon Kräuterfee » 10. Jul 2006, 09:19

Das Anlegen des Wickels
– faltenfrei
– keinen Luftraum lassen, daher möglichst „fest“ anlegen(keine Abschnürungen)
– alle Wickeltücher sind rasch nacheinander anzulegen (heiße Wickel daher möglichst „vor Ort“ anlegen, bzw. von beiden Seiten vorher einrollen und dann anlegen)
– bei heißen Wickeln ringe ich diese in einem Handtuch aus, da sonst man sich verbrennen könnte
– bei Schwerkranken gaaanz behutsam vorzugehen (keine Erschütterungen und „grobes“ Anpacken (besonders bei schweren Infektionskrankheiten und bei Lungenentzündun)-> größere Wickel werden bei Schwerstkranken sowieso nicht angelegt (->siehe weiter unten die Grundregeln)!
– Man kann die drei Wickel bei Schwerkranken schon vorher wie folgt zusammenlegen: (natürlich in der genannten Reihenfolge aufeinander) und von einer Seite aufrollen.(zum Anlegen braucht man daher vernüftigerweise 2 Personen; hochheben + anlegen z.B. bei Anlage eines Wickels in der Ledengegend).
MfG
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Beitragvon Kräuterfee » 10. Jul 2006, 09:20

Das Abnehmen des Wickels
– sollte rasch erfolgen
– Nachruhe für ca. 0,5 h einhalten (Nachdünstung)
– danach abtrocknen
– ggf. kurze Abwaschung oder kalte Abreibung durchführen (besondern gut nach dem Nachdünsten angezeigt)
MfG
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Beitragvon Kräuterfee » 10. Jul 2006, 09:21

Zu welcher Zeit legt man Wickeln an ?
– zu jeder Tageszeit, größere Wickel zweckmäßig am Morgen oder vormittags (natürlich nicht bei Patienten, bei denen Morgenschlaf aus bestimmten Gründen angesagt ist)
– kleinere, ableitende Wickel können auch zur Begünstigung des Schlafes nachts angelegt werden
MfG
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Beitragvon Kräuterfee » 10. Jul 2006, 09:21

Wie oft legt man Wickel an ?
– eine zu häufige Anwendung führt zu einer Schwächung des Organismus und zu starkem Wärmeverlust, daher richtet sich die Häufigkeit nach dem Einzelfall ! - kleinere Wickel (Halsentzündung oder bei Entzündungen an den Gelenken) können jedoch häufig nacheinander angelgt werden
MfG
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Beitragvon Kräuterfee » 10. Jul 2006, 09:23

Kneippsche Zusätze zu Wickel

Heublumen
– man kocht dazu ca. 1-3 handvoll heublumen in 4-5 l Wasser ca. 0,5 h und seiht anschließend ab; danach wird darin das Wickeltuch eingetaucht – oder
– man gibt die heublumen in ein Säckchen und kocht diese darin aus
– Heublumen dienen zur Steigerung der örtlichen Reaktion, zur Anregung des Stoffwechsels
– sie begünstigen Auflösung und Ausleitung
Haferstroh
– Menge und Zubereitung wie bei Heublumen
– Wirkung ist milder, aber stärker aufweichend auf die oberen Hautschichten
Zinnkraut (Ackerschachtelhalm)
– ca. 3 handvoll Zinnkraut werden ca, 0,5 h gekocht
– diese können kalt oder warm aufgelkegt werden
– Zinnkraut wirkt günstig auf schlecht heilende Wunden, Unterschenkelgeschwüre, nässende Ekzeme
Eichenrinde
– ca. 1 handvoll und kocht sie 0,5 h aus
– diese werden meist kalt angelegt
– nur für kleine Wickel
– Wirkung: zusammenziehend bei Hautrissen, oberflächlichen Hautschürfungen
obacht ! _> gibt schwer entfernbare Flecken in der Wäsche ;-)
Kamille
– 2-3 handvoll Kamille ca. 0,5 h kochen und heiß anlegen, auch als Absud gemischt verwenden
Essigwasser
– man mischt ca. 1/3 Weinesssig auf 2/3 Wasser
– diese Wickel werden meist kalt angelegt
– Wirkung: Beschleunigung der Reaktion; durch unmittelbare Wirkung der Essigsäure auf der Hautoberfläche
Lehmwasser
– man nimmt mehrere handvoll trockenen, pulveresierten Lehm auf 2-3 l Wasser und mischt das zu einer dickflüssigen Brühe
– wird fast immer kalt angelegt
– die Zugabe von diversen Kräuterabkochungen statt Wasser verstärken die Wirkung des Wickels
– Wirkung: Lehm hält länger kalt und wird dato stark entzündungswidrig (Bsp. Bei Venenentzündungen)
Salz
– 1-2 gehäufte EL auf 1 l Wasser als Anwendung zu kalten Wickeln
– Wirkung: wirkt hautreizend und beschleunigteine erwünschten Hautausschlag (z.B. bei Masern, Scharlach)
Senfmehl
– man nimmt 2-3 gehäufte EL voll Senfmehl und übergießt mit Wasser von einer Temperatur von ca. 45-50 Grad (niemals kochendes Wasser verwenden !)
– einige Minuten ziehen lassen und dann erst das Wickeltuch eintauchen.
– Anwendungsdauer: zwischen 10-20 min bis zum Auftreten eines starken Brennens und stärkerer Hautreizung
– danach wird der Wickel abgenommen und eine warme Abwaschung durchgeführt (um die anhaftenten Reste zu entfernen)
– Wickel kann warm oder heiß angelegt werden
– Wirkung: starke Hautreizung
Sauerkrautwasser
– die Brühe des rohen Sauerkrautes wird als Tränkflüsssigkeit verwendet
– Wirkung: analog von Essigwasser und Salzwasser
MfG
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Beitragvon Kräuterfee » 10. Jul 2006, 09:26

Grundregeln

– sämtliche Wickel sind möglichst im Bett oder in geeigneter Ruheumgebung und im gutdurchwärmten Zimmer(Umgebung) anzulegen
– ist der zu wickelnde Körperteil kalt, keinen kalten Wickel anlegen, sondern vorher für Erwärmung sorgen ! (Bett, warmes Bad etc.)
– die Füsse müssen immer warm sein !
– evt. warme Getränke (Kräutertee oder warme Fruchsäfte) zu sich nehmen
– Darm und Blase vorher entleeren ;-)
– für Ruhe/Entspannung sorgen

Achtung bei größeren Wickeln und Schwerkranken:
Wenn die Arme mit eingepackt sind, sollte zweckmäßig eine weitere Person als Aufsicht im Raum sein ! (vielleicht kennt der ein oderere andere selbst schon die evt. „unerwarteten“ Körperreaktionen (Ursache/Wirkung der Temperaturregulation auf Kreislauf etc. ;-)
– wenn man nach einem kalten Wickel nicht nach 0,5 h warm ist, muß man künstlich die Erwärmung herbei führen. (Wärmflasche, heiße/erwärmende Getränke)
– wenn man beim heißen Wickel nach der Abkühlung nicht warm wird, ebenfalls künstlich eine Erwärmung herbeiführen
– besondere Beachtung gilt der raschen Erwärmung bei Personen mit Schüttelfrost; da ist die nachfolgende Erwärmung (bei Ausbleibung dieser) ebenfalls künstlich herbeizuführen.
– Bei Schwächezuständen ist grundsätzlich der Wickel abzunehmen !
– Schläft man beim Wickel ein, kann er i.d.R. Draufbleiben, es sei denn, der Patient ist vorher schon zu geschwächt (sonst tritt eine weitere Schwächung ein !)
– größere Wickel werden bei Schwerstkranken nicht angelegt !
MfG
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Wickelarten(nach der Wirkung)

Beitragvon Kräuterfee » 10. Jul 2006, 14:59

Wickelarten(nach der Wirkung)

Der kalte Wickel

Der kalte Reiz ruft eine Erweiterung der Gefäße hervor. Dadurch kommt es zur vermehrten Durchblutung und auch der Lymphfluss wird angeregt. Darunterliegende Organe werden ebenfalls beeinflusst. Deszufolge wird eine Wirkung auf den Stoffwechsel erzielt.

– Schlackenstoffe können besser abgebaut werden
– wirken beruhigend auf das Nervensystem
– die Haut (Schweiß- und Talgdrüsen werden angeregt) – das sieht man hinterher, welche gelbliche Brühe beim Waschen aus dem Wickel herauskommt...

Der wärmeentziehende kalte Wickel
- wird bei Fieber angewendet; dabei fällt die Körpertemperatur ca. um 1-2 Grad, je nach öfterer Erneuerung des Wickels.
Auf dem Körper kommt ein nasses Tuch (es wird nur ausgedrückt, nicht ausgewrungen !) und darüber kommt ein Zwischentuch und darüber ein Wolltuch.

Dadurch dasss das Innentuch nur ausgedrückt wird, kann der überhitzte Körper viel Wärme an den Wickel abgeben. (gewünscht bei Fieber) Der Wickel wird gewechselt, wenn er heiß geworden ist.(Dunstwärme)

Lässt man den Wickel länger drauf, bleibt die vermehrte Hautdurchblutung bestehen, während eine weitere Wärmeabgabe nicht mehr stattfindet. Dennoch wird die Wärmebildung erhöht. (feuchtwarmer Dunst). Nach einiger Zeit wird der Wickel immer trockener und sie können keine Wärme mehr aufnehmen. Durch die Wärmestauung bis zur Schweißbildung läuft der Stoffwechselprozeß weiter.

Der wärmestauende kalte Wickel

Auf dem Körper kommt ein nasses Tuch (dieses wird stark ausgewrungen !) und darüber kommt ein Zwischentuch und darüber ein Wolltuch.
– wirkt zunächst anregend, daher reagiert der Körper mit verstärkter Wärmebildung, bis der Ausgleich zwischen Wickel und Körper erreicht ist. Es staut sich die Wärme im Körper, da die Wärmeabgabe gehindert wird. Dadurch steigen Temperatur und Stoffwechsel. Der Körper beginnt zu dünsten.

Der schweißtreibende kalte Wickel
Auf dem Körper kommt ein nasses Tuch (dieses wird ebenfalls stark ausgewrungen !) und darüber kommt ein Zwischentuch und darüber ein Wolltuch. Die Gegebenheiten sind wie beim wärmestauenden kalten Wickel die Zeitdauer der Anwendung ist aber verlängert !
– Körpertemperatur und Stoffwechsel steigen weiter; der Wickel nimmt keine Wärme auf, sondern staut sie zurück.


Resumee der verschiedenen Anwendungsgebiete:
– der wärmeentziehende kalte Wickel zur Wärmeentziehung bei Fieber benutzen; bei hohem Fieber (40-41 Grad) bitte Wasser von Zimmertemperatur verwenden (!), sonst Schockwirkung, ist ohnehin schon nicht sehr angenehm. ;-)
– zur Steigerung des Stoffwechsels den wärmestauuenden Wickel verwenden (z.B. bei chronischen Krankheitsprozessen mit mangelder Wärmebildung, dort soll der Wickel 1-1,5 h dran bleiben
– als schweißtreibende Anwendung (z.B. als Behandlung bei Erkältungen und zur stärkeren Stoffwechselanregung und bei Fettsucht); bleiben diese Wickel von 1,5 – 2 h und länger drauf.

Heilanzeigen der kalten Wickel
– bei fieberhaften Erkrankungen, bei denen Wärme ausgeleitet werden soll(entweder durch Wärmeabgabe oder über die Schweißbildung)
– Beseitigung dabei anfallender unerwünschter Stoffwechaselprodukte
– entzündungswidrige Wirkung in Gelenken (örtliche Eiterungen, Flüssigkeitsausscheidungen)
– schnellere Auflösung von Blutergüssen
– Ekzeme trocknen schneller aus (kalte Wickel wirken austrocknend)
– ebenso angezeigt bei trockenen Ekzemen und Neuralgien
– bei Arteriosklerose sind kleinere Wickel zur Ableitung/Stoffwechselbegünstigung zweckmäßig
– größere Wickel zur allgemeinen Anregung des Stoffwechsel z.B. bei Fettsucht

Der warme und heiße Wickel
– warme Wickel führen zur einer sofortigen Erweiterung der Hautgefäße (diese Erwärmung ist aber passiv -> beim kalten Wickel ist diese aktiv ;-)
– warme Wickel daher nur dort anwenden, wo das Reaktionsvermögen herabgesetzt ist; er wird daher nur am Beginn einer Behandlung angewendet !
– Diese Wirkungen der Original Kneippschen Wickel sorgt für eine bessere und schnellere Durchblutung in den tieferen Hautschichten und den darunterliegenden Gewebe. Dies ist besonders günstig bei Entzündungsprozessen. Dabei muss man nicht schwitzen. – Diese Wirkung gilt nicht für andere Wickel, die eine undurchlässige Zwischenlage(Isolationsschicht) verwenden !!!) -> Wir sind hier bei der Anwendung Kneippscher Original-Wickel ! (also ein Wickel ist nicht gleich Wickel..... ;-)
– warme Wickel sind prima bei Sehnenscheidenentzündungen (Aufsaugung entzündlicher Ablagerungen)
– heiße Wickel werden so heiß, wie möglich angelegt
– warme und heiße Wickel sind günstig bei chronisch veränderten und versteiften Gelenken und chronisch rheumatischen Muskelzuständen
– die Tiefenwirkung heißer Wickel ist hilfreich bei Koliken (Darm, Gallenblase, Niere, Blase, weibliche Geschlechtsorgane)
MfG
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