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Hat jemand Erfahrung mit Ritalin ?

Moderator: Angelika

brainbug
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Beitragvon brainbug » 28. Feb 2005, 15:51

ich weiss nur, dass mir eine alternative ads(h)-therapie meine gesamte schullaufbahn ruiniert hat!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


Christiane04
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Ernährungsumstellung bei Hyperaktivität

Beitragvon Christiane04 » 26. Mär 2005, 14:19

Hallo Mabel!
Ich habe einen Bruder, der von frühster Kindheit an an Hyperaktivität litt. Damals gab es ADS in dem Sinne noch nicht. Ist wohl ein Wort unserer Zeit.
Bei ihm wurde es ungefähr in einem Alter von drei Jahren auffällig.
Er hatte ungeheure Probleme mit dem Sprechen, da er immer schneller erzählen wollte, als sein Mund es zugelassen hätte. Auch ein Besuch bei der Logopädin hat nichts gebracht. Er war auch erst mit fünf Jahren sauber. Desweiteren hat er in unserem Haus "randalliert". Ert wußte einfach nicht, wohin mit seiner Energie.
Als potentielle Auslöser hätte es einige Dinge geben können: Er kam mit einem Herzfehler (er ist aber ohne Operation "herausgewachsen") auf die Welt und ist im Alter von zwei Jahren die Treppe hinunter gefallen und hat danach lange Zeit, wohl durch den Schock, kein Wort mehr gesprochen.

Meine Mutter wurde von den Kinderärzten damals (1985) nicht für voll genommen. Man sagte ihr sogar, sie solle sich nicht so anstellen, sie hätte eben ein aufgewecktes Kind.
Daß unsere ganze Familie darunter zu leiden hatte, war nebensächlich.
Per Zufall hat meine Mutter dann von einer Kinderärztin gehört, daß sich eine Ernährungsumstellung günstig auf die Hyperaktivität auswirke.
Die Kinder wurden damals "Phosphatis" genannt.
Die Ernährung durfte keine Phosphate, Konservierungsstoffe, E- Stoffe, Emulgatoren, Stabilisatoren, nur wenig Zucker und ganz selten mal ein Ei enthalten. Es hört sich jetzt so an, als hätte er sich nur noch von Wasser ernähren dürfen :) , aber so war es natürlich nicht.
Zur Unterstützung hat er AT10- Tropfen verschrieben bekommen, von denen er 20 Tropfen pro Tag morgens einnehmen mußte. (Von diesen Tropfen wurde dann aber Jahre später abgeraten, da sie Krebs verursachen würden)
Einmal pro Monat wurden seine Blutwerte kontrolliert.
In einem Alter von 13 oder 14 (auf jeden Fall mit Einsetzen der Pubertät) war er auch mit normaler Ernährung beschwerdefrei und ist es bis heute geblieben. Er ist jetzt fast 26.
Wenn Du möchtest, kann ich Dir Info- Material schicken. Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert. Mein Bruder war ja kein Einzelfall.
Schöne Grüße, Christiane
Gott schuf die Katze, damit der Mensch einen Tiger zum Streicheln hat.
(Victor Hugo, französischer Dichter, 1802-1885)

Callileo
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?

Beitragvon Callileo » 14. Apr 2005, 08:29

Hallo zusammen

Kann mir vielleicht jemand rasch die genauen Unterschiede zwischen POS, ADS und ADSH erklären?

Vielen Dank! :P

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Kräuterfee
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Beitragvon Kräuterfee » 14. Apr 2005, 08:46

Hallo Callileo,

auf mich macht das nicht so einen guten (freundlichen) Eindruck - neu kommen und gleich herumdrängeln, macht mal, rasch... :eek:

Aufmerksamkeitsstörung (ADS) (ohne Hyperaktivität)
ist eine biologischen Funktionsstörung im Bereich der Informationsverarbeitung zwischen einzelnen Hirnabschnitten.
Psychoorgane Syndrom (POS) ist dasselbe, bloß eine andere(ältere Bezeichnung).
ADSH = Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität
MfG
Kräuterfee

Callileo
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Beitragvon Callileo » 14. Apr 2005, 08:51

Kräuterfee hat geschrieben:Hallo Callileo,

auf mich macht das nicht so einen guten (freundlichen) Eindruck - neu kommen und gleich herumdrängeln, macht mal, rasch... :eek:

Aufmerksamkeitsstörung (ADS) (ohne Hyperaktivität)
ist eine biologischen Funktionsstörung im Bereich der Informationsverarbeitung zwischen einzelnen Hirnabschnitten.
Psychoorgane Syndrom (POS) ist dasselbe, bloß eine andere(ältere Bezeichnung).
ADSH = Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität


Alles klar, vielen Dank!

Ich habe doch beim besten Willen niemanden gedrängelt? :eek: :oops:

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Kräuterfee
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Beitragvon Kräuterfee » 14. Apr 2005, 09:10

Hallo Callileo,

dann kommst Du wahrscheinlich nicht aus Deutschland, entschuldige bitte. Das Wort rasch heisst: schnell. ;)
Als Bsp.: Wäsche trocknet rasch.
D.h.: die Wäsche trocknet schnell.

Etwas rasch erklären, heisst demzufolge schnell erklären.
Das betrifft auch den Umfang des Inhaltes/der Erklärung(es "kurz zu halten") und die Reaktionszeit der Antwort.
MfG
Kräuterfee


Callileo
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Beitragvon Callileo » 14. Apr 2005, 09:33

Kräuterfee hat geschrieben:dann kommst Du wahrscheinlich nicht aus Deutschland, entschuldige bitte.


Bingo!
Bild

:lol:

Unter rasch verstehe ich, dass sich jemand keinen riesen Aufwand betreiben muss.
So war das gemeint. ;)

Aber danke für deine 'schnelle' Antwort!

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Kräuterfee
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Beitragvon Kräuterfee » 14. Apr 2005, 10:43

Hallo Callileo,

das wäre nicht passiert, wenn im Profil Dein Wohnort gestanden hätte...
Niedliches Bild
:wink:
Grüssli in die Schweiz
Kräuterfee

Kala Tara
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Beitragvon Kala Tara » 20. Jan 2006, 21:32

Ritalin sollte mit bedacht eingesetzt werden.

Es ist allerdings kein Beruhigunsmittel, sondern ein Aufputschmittel. bei ADHS wirkt es allerdings beruhigend.

Kinder mit ADHS brauchen einen klar Struktuiertes Leben.

Ich selbst bin erst als Erwachsene diagnostiziert worden. Mir hat aber in meiner Kindheit geholfen, das ich in der DDR aufgewachsen bin. Dort gab es klare Tabus und verhaltensregeln, die eine Orientierung einfacher gemacht haben. Dies hat dazu geführt, das ich nur hin und wieder in meinem Leben ins schleudern gerate. Es gab in meiner Kindheit klare Breiche, die mit der Schule zusammenhingen. Nach der Schule hatte ich aber auch das Glück, das wir ganz in der Nähe einen Wald, einen Friedhof und eine Kuhweide hatten. Das bot super möglichkeiten sich auszutoben.

ADHS bedeutet eine Breitere Wahrnehmung als normale Menschen zu haben. Damit verbunden ist aber auch, das ADHSler nicht genau unterscheiden können was wichtig ist und was nicht. Darauf beruhen viele Probleme die ADHSler im zwischenmenschlichen leben haben. ( bestes beispiel sind Pünktlichkeit und Ordnung).

ich selbst bin zurzeit auch auf der Suche nach alternativen methoden zum Ritalin. Es ist mir sehr unangehm gewesen Ritalin zu nehmen. Ich hatte das gefühl ich pump mich mit Gift zu. Dann bin ich eine weile bestens mit Red Bull klargekommen, aber inzwischen kann ich das zeug nicht mehr sehen.

Eine Abhängigkeit von ADHSler von Ritalin, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, hab ich nicht gehabt. Mir war das Ritalin irgendwann über, ich konnte es einfach nicht mehr nehmen.
Diese Reaktion kenn ich von so einigen Adhslern. Es ist also nicht so, das man krampfhaft Ritlain braucht wenn man damit einmal behandelt wurde.
Wichtig bei ADHS ist, das diese Menschen auf bestimmte Medis anders Reagieren.
Ich selbst hatte die nette Erfahrung gemacht vor einer OP auf ein Starkes beruhigunsmittel mit einer totalen Panik zu reagieren. Ich schrie und hatte absolute Lebensangst. Die Ärzte wussten damals auch nicht warum das medikament bei mir nicht wirkte. Vorallem, wenn man bedenkt, das ich nur 48 kilo wiege.

Aber ein gutes hat ADHS. Wir haben enorme selbsheilungskräfte. :P


Liebe Grüße
Kala Tara

abraxas_64
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Beitragvon abraxas_64 » 31. Jan 2006, 22:17

Hallo Kala Tara und andere Interessierte,

als ich eben sah, dass sich in diesem Thread wieder etwas tut, möchte ich nun auch noch mal etwas zu meinen Erfahrungen sagen:

Weiter oben hatte ich ja über die Schwierigkeiten berichtet, die mein Sohn mit seiner ganz besonderen Art so langsam bekam...

Trotz Ergotherapie, Elterntraining, sehr viel Liebe, Konsequenz und Zuwendung in der Erziehung verschlimmerten sich die schulischen Probleme weiter.
Bei den Hausaufgaben kam es dann irgendwann zu psychosomatischen Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen und mein Sohn litt extrem darunter, dass er 'einfach nicht anders könne' als ständig rumzuhibbeln, ständig rumfliegende Gedanken hätte, beim Kopfrechnen die Aufgabe vergessen würde bevor er auf das Ergebnis käme und so weiter...

Seine schulischen Leistungen gingen so weit in den Keller, dass ich schon befürchtete, ihn (trotz seiner sehr guten Auffassungsgabe) auf einer Förderschule anmelden zu müssen.

In meiner Not wandte ich mich erneut an seinen Kinder- und Jugendpsychiater.

Dieser geht mit der Gabe von Ritalin (und ähnlichen Medikamenten) sehr vorsichtig um, aber in unserem Fall meinte er, ein Versuch sei zumindest angebracht.

Nach Abklärung evtl. Kontraindikationen per Blutbild und EEG, begannen wir dann im Sommer letzten Jahres mit einer Gabe von 'Medikinet' in einer fast homöopathischen ;) Dosierung von 2 x 5 mg.

Die sofortige Wirkung war so deutlich und positiv, dass ich es damals kaum glauben konnte :
Mein Sohn konnte auf einmal 'bei der Sache bleiben', seine Klassenlehrerin sprach mich darauf an, dass er kaum noch rumhibbelt und den Unterricht nicht mehr stört, und unser Familienleben hat sich dadurch, dass der Druck durch das potentielle Schulversagen nun nicht mehr gegeben ist, enorm entspannt :)

Meine Angst, dass sich mein Sohn durch das Medikament in seiner Persönlichkeit verändert, hat sich zum Glück nicht bestätigt !
Er ist der gleiche liebenswerte Chaot, der er immer war, hat den Kopf voller Ideen, die er z.T. mit seinen guten Freunden teilt, und hat immer noch 'Hummeln im Mors' ;)
(Nebenwirkungen wie Appetit- oder Schlafstörungen waren auch keine erkennbar)

Bei der Medikation sind wir aus praktischen Gründen zwischenzeitlich auf 1x täglich 'Medikinet retard' 10 mg. übergegangen.

Seit der Kurze nun aber so toll mit der Schule (das Halbjahreszeugnis war richtig klasse) und sich selbst klarkommt, haben wir begonnen, das Medikament auszuschleichen.

Wochenenden und Ferien sind 'drogenfrei' ;) und nach und nach wird es sicherlich auch klappen, dass das - inzwischen eingeschliffenene - Verhalten bezüglich Schule und Hausaufgaben auch ohne Medikamente funktioniert...



Meine Erfahrungen sind sicher nicht repräsentativ, und es gibt bestimmt auch Kinder/Familien bei denen ganz andere Therapie-Ansätze angesagt sind.

In unserem Fall wurde durch das Medikament sicher auch ein gewisser 'Teufelskreis' durchbrochen.

Meinen eigenen Anteil daran, dass die Lage früher gelegentlich etwas eskalierte, sehe ich durchaus ! :oops:

Aber inzwischen kommt vom Junior dann der Spruch :
" Mama, ICH habe heute meine Medizin genommen. Nimm Du mal wieder deine Bachblüten ! (in meinem Fall 'Impatiens' ;) )


Und, @ Kala Tara : Das mit den Selbstheilungskräfen kann ich nur bestätigen ! :D

Kaum jemand in unserer Umgebung ist so selten krank bzw. so schnell wieder fit, wie wir 8) :)


Ich wünsche jedem, der direkt oder indirekt von AD(H)S betroffen ist, dass er den für sich selbst passenden Weg findet !
Der kann ganz anders aussehen als der unsrige, aber ein *Verteufeln* von medikamentöser Behandlung ist aus meiner Sicht nicht angebracht.

LG Bärbel

Kala Tara
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Beitragvon Kala Tara » 16. Feb 2006, 20:34

Ich hab mit ritalin aufgehört, weil erstens ich immermehr das gefühl hatte gift zu nehmen, und zweitens eine einahme nur innerhalb eines Vernüftigen Verhaltensterpieprograms sinn macht. Dies wird aber in Deutschland für Erwachsene nicht wirklich angeboten.
Ich bin gerade aus einer Beziehung ausgestiegen. Mein EX-Partener hat auch ADHS, versteckt sich aber hinter seiner Diagnose. Für ihn galt für jedes Verhalten, totale Toleranz, weil ja ADHS, bei mir war es nicht so relevant, das auch ich die Tematik hab, und somit nicht in allen Situationen normal reagiere. Egal...
Ich selbst bin froh, das ich weis was mit mir los ist, und somit hab ich einen punkt wo ich ansetzten kann.
Ich bin gerade dabei mir ein Netzwerk von Leuten aufzubauen, die mir in bestimmten Situationen helfen, die ich selbst allein nicht kann. Also ich hab jemand der hilft Bewerbungen zu schreiben, jemanden der alle 3 Monate meine Finanzsituation abcheckt.
Jetzt beleibt nur noch die Reglung meines Alltags.
ein großes Probblem ist das regeln von alltags Dingen.
Regelmässiges aufräumen oder den Umgang mit Geld. Da ADHS auch bedeutet schnell seinen Impulsen nachzugeben, bin ich gerade am üben nicht immer überall meinen Impulsen nachzugeben. Das ist manchmal ganz schön schwer.
Ein Zimmer aufzuräumen ist eine einzige Qual, weil man beim Aufräumen ständig vergisst, was das eigentliche ziel war, und so schnell mit dem Buch, welches man aus der Küche in den Bücherschrank legen wollte, auf dem Sofa beim lesen landet.
Eine riesige Hilfe sind für mich aufgabenlisten.
Da hab ich dann das pensum was ich an einem Tag schaffen möchte, Schwarz auf Weis vor mir und kann abhaken.
Ich bewunder Leute, die es schaffen, eine Küche inerhalb von 3 Stunden komplett zu säubern, ich brauch da ein ganzes Wochenende.

Ich habe kein ADHS mit schweren sozialen störungen, sondern bei mir zeigt sich das eigentlich nur in den bereichen wo es um die eigenorganisation geht, und eine leichte hibbeligkeit.
leider auch die totale unfahigkeit mit routineaufgaben klarzukommen. Ich muss auf der arbeit pro Woche eine Liste abtippen, was bei den Kolleginnen etwa 15 min inanspruch nimmt. Ich brauch dafür fast 2 Stunden, weil ich da nicht länger als 30 sec konstannt bei der Sache bleiben kann. Nur auf Ritalin konnt ich sie komplett an einem stück durchtippen. Das war hart, zu sehen das man sowas, was sonst alle können, nur auf pille geht.

Liebe Grüße
Kala Tara

SeeBär
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Registriert: 27. Jan 2002, 01:00

Moin.

Beitragvon SeeBär » 17. Feb 2006, 11:13

Moin.
Heute "muss " ich mich dann auch mal wieder in diesen Thread einklinken...
Nicht um Methylphenhydat zu "verteufeln", aber nochmal um aus Erfahrungen zu berichten...

Ich arbeite derzeit mit 3 sog. ADS/ADHS Kindern....zusammen mit anderen Therepeutinnen und Therapeuten ( Ergotherapie, Verhaltenstherapie, Kinder-Jugend-Psychotherapie, Psychoanalyse, Kinderarzt etc. ) haben wir uns in ein "therapeutisches Boot" gesetzt, um jew. gemeinsam mit dem jew. Kind als Mittelpunkt zu arbeiten und ein möglichst erfolgreiches therapeutisches Konzept zu erstellen...
Und in wieder allen drei Fällen ist mir aufgefallen, das heute die Schublade "ADS/ADHS" schnell aufzogen - Mensch rein - und geschlossen wird...
Kaum noch Differenzierung von z.B. Verhaltenstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, Oppositionellem Verhalten, Sozialisationsinsuffizienzen, Erziehungsdefiziten, ....alles ab in die "ADS/ADHS" Schublade....das vereinfacht die Sache scheinbar ungemein und zudem darf JEDER Schulmediziner ( Hausarzt, Landarzt, Allgemeinmediziner usw. ) unabhängig von Erfahrung und Qualifikation dann auch gleich mit Methylphenhydat - Rezeptierungen ( BTM !!! ) um sich werfen...
Aber gerade bei den vielen Verhaltensauffälligkeiten ( s.o. ) ist der Einsatz von Methylphenhydat nicht angezeigt, eher sogar kontraindiziert...
Doch wer wagt es denn heute noch, in die familieren Strukturen des betroffenen Kindes - Jugendlichen intensiver einzublicken, um dort nach Lösungen zu suchen..??? Das ist sehr viel Arbeit, das bedeutet oftmals auch, den Bezugspersonen ebenso eine Therapie nahezulegen ( Familientherapie, Paartherapie usw. ), das bedeutet oftmals auch, Strukturen zu ändern ( z.B. Einführen von Ritualen - ich arbeite gern und viel mit Ritualen ),...Strukturen in Frage zu stellen - und das kann schmerzhaft Erkenntnis werden...
Und nochmal zu den Ursächlichkeiten: in allen 3 Fällen ist mir erneut aufgefallen, das die Verhaltensauffälligkeiten grundlegend mit häuslichen Problemen in Zusammenhang standen...Eltern voll berufstätig / ggf. noch mit eigenem Betrieb, keine Zeit für Kinder, keine Zeit für Erziehung, kein Interesse & Zeit an Hausaufgaben und schulisch vermittelten Inhalten/Wissen, Kinder die kaum Grenzen & Regeln kennengelernt haben, oppositionelles Verhalten um Liebe und Aufmerksamkeit zu erfahren, Sozisalisierungsdefizite aufgrund mangelnder sozialer Kompetenz und Erfahrung innerhalb der familiären Struktur / Erziehung,.....dadurch entsprechende Probleme in der Schule, Freizeit,...
Alle 3 Kinder wurden in die Schublade " ADS / ADHS " gesteckt - jew. von einem anderen Kinderarzt/ Hausärztin..., - und alle 3 wurden umgehend mit Methylphenhydat bestückt...insbesondere auch um sie wieder " normal beschulbar " zu machen .... ( diese Wortwahl habe ich aus dem Bericht einer Grundschulrektorin entnommen...!!! )
Was ich damit noch einmal unterstreichen möchte, als Grundaussage, ist, dass es eben einfacher ist, umschriebene Probleme in eine " Diagnose-Schublade " zu stecken und mit psychoaktiven Substanzen als chemischer Keule darauf einzuhauen, als sich die Mühe zu machen, nach Ursächlichkeiten zu schauen, und dann ggf. auch den Mut zu haben, seinem eigentlichen "Auftraggeber" ( z.B. Eltern ) deutlich zu machen, das er/sie es sind, die therapeutische Begleitung notwendig haben, um dem eigentlichen Klienten/Patienten (Kind/Jugendlicher) zu helfen, dass besagter "Auftraggeber" Fehler gemacht hat / und macht / welche zur aktuellen Situation geführt haben, welche aber auch mit entsprechender Compliance gerade gebogen werden können....

Einen schönen Gruß vom vernieselten Nordseestrand

SeeBär

Kala Tara
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Beitragvon Kala Tara » 17. Feb 2006, 18:43

Bei Kindern gibt es ja auch gute Therapie-Ansätze.
Nur als Erwachsener hat man es nach Deutscher Krankenkassenrechtslage schwer.
Da ADHS eine "Kinderkrankheit" ist es schwer an eine Vernünftige Terapie dranzukommen, die auch von der Kasse bezahlt wird.
Ritalin ist ja offiziel auch nur bei ADHS bei Kindern zu gelassen.
So steht man als Erwachsener vor dem Problem, das man zwar schon irgendwie an das Ritalin drankommt, nur eben nicht an eine Therapie. Es ist verückt. Weil ohne Verhaltenstherapie macht das Ritalin auch keinen Sinn.

Liebe Grüße
Kala Tara

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Mausbärin
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Beitragvon Mausbärin » 18. Feb 2006, 01:12

Hallo Kala Tara,

Unser Gesundheitssystem ja regelrecht danach, daß der Patient sich selbst was einfallen läßt um gesund zu werden.

Ein Einfall kam mir beim Lesen deine Beitrags ganz spontan: :D

Ich gehe einfach mal zu einem Arzt, der mich nicht kennt und erzähle dem nichts von der bereits gestellten Diagnose.

Vielleicht erzähle ich ihm einfach, daß ich überhaupt nicht mehr schlafen kann und so übermüdet bin, daß ich morgens gar nicht mehr in die Gänge komme. Und deshalb bekomme ich tagsüber wohl auch überhaupt nichts mehr geregelt.
Und weil ich so müde bin, kann ich mich garnicht mehr konzentrieren und vergesse tausend Dinge. Abends im Bett packt mich dann die Angst, daß ich vielleicht was ganz Wichtiges vergessen habe, wo ich morgen aber unbedingt dran denken muß.
Und das macht mich dann so nervös, daß ich wieder die ganze Nacht kein Auge zubekomme. (dabei hibbel ich die ganze Zeit mit dem Bein unterm Tisch rum, und zwar so daß der Azrt das auf jeden Fall mitkriegen muß)
Ich habe mir ja schon was aus der Apotheke geholt, aber das hilft nicht. :

Und dann würde ich mal abwarten, welche Diagnose er denn stellt.

Klar: wahrscheinlich erst mal Schlafstörung und ein Rezept für ein Schlaf-/ Beruhigungmittel gibt es dann bestimmt auch.

Und dann laufe ich regelmäßig zu diesem Arzt und klage ihm mein Leid.
Ein bisschen helfen die Medikamente zwar, aber nur ein bisschen.
Aber das kann doch nicht sein. Warum bin ich denn nur so nervös und habe solche Angst?
Inzwischen bekomme ich ja sogar schon Angst, daß ich irgendwann total durchdrehe :sad:

Und dann wird er wohl auf die Idee kommen, daß meine Beschwerden psychische Ursachen haben und verordnet mir eine Therapie. Und das nicht wegen einer "Kinderkrankheit"

Und damit bin ich schon einen entscheidenden Schritt weiter! ;)

War nur so ein Einfall....sicher nicht die feine englische Art, aber die kann ich bei dieser Rechtslage auch nirgends finden.
Schon traurig, wenn's nicht anders geht!

Viele Grüße
Ines

SeeBär
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Deine Frage

Beitragvon SeeBär » 18. Feb 2006, 09:34

Moin liebe Mausbärin....

Du fragst Dich:
Warum bin ich denn nur so nervös und habe solche Angst?
Inzwischen bekomme ich ja sogar schon Angst, daß ich irgendwann total durchdrehe

Ursachen für die Symptome, welche Du beschreibst, können sehr tief im Unterbewussten verborgen liegen....
Denk mal als Ansatz auf Deiner Suche nach Antworten über Tiefenpsychologie, Hypnosetherapie und/oder Psychoanalyse nach...

Das sind zwar nicht DIE schulmedizinisch-psychologischen Ansätze...aber wohl doch ein besserer Weg für Dich, als irgendwie zu versuchen in die Diagnosestellung " ADS/ADHS " eingenordet zu werden um dann mit medikamentöser Therapie lediglich die Symptome zu unterdrücken, ohne an die Ursachen heranzukommen....
Das sind auch nicht DIE schulmedizinisch - psychologischen Ansätze, welche grundlegend von einer Ersatzkasse übernommen werden, aber jede/r gute Therapeut / in kann Dir helfen, eine entsprechende Kostenübernahme ( vielleicht auch nur zum Teil, aber immerhin...) zu beantragen....


Einen herzlichen Gruß

SeeBär



   

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