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Die zentrale Bedeutung des Kiefergelenkes

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Moderator: Angelika

Dr.Rolf Ebhardt
Beiträge: 275
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Die zentrale Bedeutung des Kiefergelenkes

Beitragvon Dr.Rolf Ebhardt » 17. Mär 2006, 16:36

Noch immer scheint die so wichtige Rolle des Kiefergelenkes ( KG ) bei vielen Ärzten,Zahnärzten und auch Heilpraktikern nicht genügend bekannt zu sein.Ich möchte daher hier einmal versuchen,das Wesentlichste zum Verständnis der Dinge aufzuzeigen.
1.) Zur Anatomie:
Das KG besteht aus 3 Teilen : 1.) der Gelenkpfanne,sie ist starr mit der Schädelbasis verbunden. 2.) dem Unterkieferköpfchen.Es befindet sich am hinteren,oberen Teil des Unterkiefers ( UK ) und bewegt sich mit der Bewegung des UK. 3.). Dazwischen liegt der Diskus,eine Knorpelscheibe, die als Puffer dient. 4.) Umschlossen ist das Ganze von einer derben Kapsel und angefüllt mit einer Art Gelenkschmiere.
2.) Zur Funktion:
Schliesst man die Backenzähne aufeinander,hat das Kieferköpfchen idealerweise eine zentrale Lage zur Gelenkpfanne an der Schädelbasis.Bei der Öffnung und Seitwärtsbewegungen des UK gleitet es auf dem Diskus nach vorne,bzw. seitwärts.
3.) Fehlerursachen:
Alles,was geeignet ist,dieses ideale Zusammenspiel der 3 Teile zu verändern : a.) durch den Z a h n a r z t (zu hohe Füllungen,Kronen,Brücken,Prothesen.) Hier spricht man dann vom "Frühkontakt " auf der zu hohen Seite,d.h.hier berühren sich beim Zusammenbiss obere und untere Zähne a l s e r s t e s im gesamten Gebiss (siehe weiter unten Anleitung zum Selbsttest ).Das führt im KG zu einem D r u c k des UK-Köfchens auf der zu hohen Seite,auf der anderen Seite zu einem Z u g. (was das zur Folge hat, siehe weiter unten). b.) Verlust der "Stützzonen" (im gesunden Gebiss liegt das UK-Köpfchen beim Zusammenbiss in zentraler Position im Gelenk. Fehlen mehrere Backenzähne,geht die Stützfunktion verloren,die Kaumuskulatur zieht den UK auf der "fehlenden" Seite nach oben.Auch hier wieder ein Druck,auf der gegenüber liegenden Seite ein Zug. Es findet also jedesmal eine v e r k a n t u n g des UK statt. c.) Weitere mechanische Ursachen können Ü b e r l a s t u n g e n sein durch Knirschen (Tag und Nacht),ständiges Kaugummi kauen oder auch ungünstige Schlafgewohnheiten (Hand unter Kopf bei Seitenlage).
Kaum zu glauben : Jeder Druck beim Frühkontakt erzeugt ein M i n i t r a u m a im Gelenk. Und,bei jedem Schlucken kommen unbewusst die Zähne zusammen.Und man schluckt am Tage ca 2.6oo mal ! !
Schon diese Erkenntnis sollte ausreichen,die Bedeutung des KG zu ermessen.Aber das ist nur die e i n e Seite. Fast noch wichtiger ist die folgende Tatsache: Der menschliche Schädel ist aus einigen Schädelknochen (Platten) zusammengesetzt,die durch Verzahnungen miteinander verbunden sind.Diese Verzahnungen sind aber nicht starr,sondern b e w e g l i c h .Somit wird auch bei jedem Druck oder Zug im KG die Schläfenplatte,an der die Gelenkpfanne des KG sitzt, bewegt.Andrerseits aber werden Schädel und Rückenmarkskanal innen ausgekleidet von der harten Hirnhaut,die absolut s t a r r und u n b e w e g l i c h ist. Die Folge : Druck oder Zug im KG - Bewegung der Schläfenplatte - Übertragung auf die harte Hirnhautauskleidung -diese gibt nicht nachund leitet diese "Stress-Situation" bis hinab zum Steissbein ! ! Dadurch alle möglichen Wirbelsäulen- und sonstige Beschwerden,bis hin zum verkürzten Bein (haben wir im Fortbildungsseminar "künstlich" erzeugt ! ).

Selbsttest (ob Frühkontakte vorliegen) :
Aufrecht bequem hinsetzen.Lippen lose aufeinander. In dieser "Ruheschwebe" sollten sich obere und untere Zähne nicht berühren.Jetzt v o r s i c h t i g auf die B a c k e n z ä h n e zumachen. Wo ist jetzt d e r e r s t e K o n t a k t zwischen oben und unten ? Er sollte auf beiden Seiten gleich z e i t i g,zumindest an e i n e m Punkt jeder Seite erfolgen. Falls nicht,muss das durch den ZA korrigiert werden.Das sind meisst nur Bruchteile von Millimetern ,was durch gefahrloses Einschleifen erreicht werden kann. Aber bitte ,wenn Sie beim ZA im Stuhl liegen und noch dazu den Kopf drehen,sieht die Sache ganz anders aus ! Probieren Sie das mal zu Hause im Sitzen: drehen Sie den Kopf extrem zu einer Seite.Sie werden vermutlich feststellen,dass sich die Situation zur entspannten Geradeauslage ziemlich verändert hat. W e n n in der Praxis eingeschliffen werden soll,also im a u f r e c h t e n Sitz immer wieder selbst prüfen. Das übliche "auf's Blaupapier beissen" ist hier völlig fehl am Platze,weil durch den Muskelzug natürlich sofort a l l e Zähne zusammen kommen.
Dr.Ebhardt


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Angelika
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Beitragvon Angelika » 19. Mär 2006, 22:29

Lieber H. Dr. Ebhardt,

vielen lieben Dank, für den interessanten und ausführlichen Bericht, über die zentrale Bedeutung des Kiefergelenkes. :D


Wünsche Ihnen alles Gute
und noch viel Freude bei uns im Forum. ;)

Angelika :wink:

shagshe
Beiträge: 66
Registriert: 21. Nov 2004, 09:16

Beitragvon shagshe » 20. Mär 2006, 08:50

Danke für diesen Beitrag.Interessant und informativ.
Jetzt stellt sich mir die Frage, wie es mit den Zahnspangen für Kinder und Jugendliche ist, denn durch sie wird doch der Kiefer auch massiv beeinflußt da er ja in eine andere Form verschoben werden soll.
Irgendwo, leider weiß ich die Quelle nicht mehr, habe ich einmal gelesen, dass die Zahnspangen oft mehr schaden als nutzen, weil Kinder dadurch oft verstärkt unter Kopfschmerzen leiden.
Ich freue mich auf eine Antwort.
shagshe

Dr.Rolf Ebhardt
Beiträge: 275
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Zahnspangen

Beitragvon Dr.Rolf Ebhardt » 21. Mär 2006, 10:25

Hallo,Zahnkorrekturen sind vital wichtig,wenn Fehlstellungen vorhanden sind.Dadurch kommt es zu Retentionsstellen für Speisereste,man kann nicht genügend säubern,Karies und möglicher frühzeitiger Verlust von Zähnen sind vorprogrammiert. Und Zähne werden häufig falsch belastet,mit all den möglichen Spätfolgen für die fehlbelasteten Zähne (Empfindlichkeit , Zahnbettschwund mit Lockerung und die Kiefergelenk-Problematik ).
Ich bin kein Kieferorthopäde.Deshalb möchte ich Ihnen auch keine gezielten Ratschläge geben.Aber ich bin sicher,dass die überwiegende Mehrzahl meiner kieferorthopädisch tätigen (Fach ) Kollegen die heute sehr ausgereiften Verfahren schonend für Ihr Kind anwenden werden. Dr.Ebhardt

eifelfee
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Kiefernfehlstellung nach über 20 Jahren

Beitragvon eifelfee » 31. Aug 2006, 21:35

Hallo Herr Dr. Ebhard, kann man an einer Kieferfehlstellung die schon über 20J besteht überhaupt noch was ändern? 4 Backenzähne waren nie angelegt, oben 2 Weissheitszähne unten keine und die letzten 2 Backenzähne fehlen seit 1985 , damals meinte der ZA die oberen können ja höchstens bis zum Kiefer runter kommen. Besonders re Seite ist das der Fall. Können meine HWS Probleme auch daher kommen Vorfall C3/4 und C6/7 , vorrangig aber Abnutzungserscheinung (Arthrose?) besonders links Schmerzen und einschlafen linker Arm. Habe wohl auch in 30 Jahren Darmkrankheit durch die vielen Schmerzen immer die Zähne stark zusammengebissen und bin allgemeine körperliche verkrampft.
Gruß eifelfee

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Kräuterfee
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Kieferknacken-Kiefergelenk-Folgen einer Fehlstellung

Beitragvon Kräuterfee » 4. Dez 2006, 12:51

Verfasst von rine am: 02 Dez 2006 19:57
verschoben von Kräuterfee
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Hallo!
Mein Mann hat mindestens seit ich ihn kenne (fast zwanzig Jahre), immer einen knackenden Kiefer gehabt. Nie wurde eine Ursache gefunden.
Nun haben wir den Zahnarzt gewechselt und dieser sprach ihn darauf an, dass er den Mund nur so wenig öffnen kann und die Zähne hinten einen unschönen Abrieb zeigen.
De facto sieht es wohl so aus, dass laut Röntgen aus unerfindlichen Gründen das Kiefergelenk auf der einen Seite nicht richtig ineinander greift, weil irgend ein Teil, das dazwischen gehört, nach unten gerutscht ist.
Die ganz direkten Folgen sind klar (was die Zähne und so anbelangt, Probleme mit Verspannungen hatte er trotzdem noch nie), es soll nun eine Schiene gefertigt werden, auch für die Nacht, um es langsam in die richtige Position zu bekommen, wobei ich immer noch überlege, wie das "abgestürzte" Teil seinen Weg dahin findet und ob nicht gar die Gefahr einer Verschlechterung besteht.
Mein Mann hat sich gefreut, dass er davon noch nichts bemerkt und es keine Probleme bereitet, nun habe ich aber überlegt, dass ja irgendwie alles immer auf "merkwürdige" Art zusammen hängt. ;)
Sollte man nun beispielsweise mit einer OP im Bereich der Nasenscheidewand wegen Dauerschnupfens (Könnte an der Nasenscheidewand liegen, aber Erfolg nicht garantiert, besagten Schnupfen hat er auch, seit ich ihn kenne, in Verbindung damit immer eine "lautere" Atmung, auch im normalen Ruhezustand hörbar, in letzter Zeit hat sich das Schnarchen sehr verstärkt , :( deshalb der Gedanke an eine OP) abwarten, ob sich da durch diese Schiene etwas ändert? Oder ist der Gedanke eh völlig abstrus?
Hat jemand damit schon Erfahrungen gemacht?
_________________
Viele Grüße,
Rine


rine
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Beitragvon rine » 4. Dez 2006, 17:15

Huhu!
Nach gründlichem Lesen des Textes von Dr.Eberhard, hat das (abgestürzte) Kind wenigstens einen Namen, es dürfte sich dabei dann ja um den Diskus handeln.
Kann das Einfluß auf den Nasen(nebenhöhlen)bereich haben?
Viele Grüße,
Rine

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rine
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Beitragvon rine » 12. Dez 2006, 21:15

Hallo!
Weiss keiner, ob sich das auch auf den Bereich auswirken kann?
Viele Grüße,
Rine

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rine
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Beitragvon rine » 14. Feb 2007, 10:11

Keiner? :(
Viele Grüße,
Rine

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Gingkoblatt
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Beitragvon Gingkoblatt » 16. Feb 2007, 18:14

:o ähm...

kann ich :wink: ...

such mal eine guten Cranio-Sacral-Therapeuten auf... der wird dir weiter helfen können...

Blockaden (ganz gleich welcher Art) im Kiefergelenk können Auswirkung auf alle Knochen und Gelenke im Schädel (und nicht nur da) haben. Das kann bis in die Fußgelenke gehen!

Zur Sache mit den Zahnspangen...
es gibt etwas, dass sich Bionator nennt... das ist auch eine Art Zahnspange...allerdings arbeitet er nach dem Prinzip der Akupressur, er stimuliert den Kiefer und die Muskulatur... irgendwann entscheidet sich dann der Kiefer so zu wachsen, wie es ihm gut tut.

Ich weiß allerdings nicht, ob die Methode bei Erwachsenen auch greift... Bei meiner Tochter hat sie jedenfalls prima geholfen...ohne Zähne ziehen oder sonst irgendwelche drastischen Maßnahmen.
:wink: Gingkoblatt
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Nur wo nicht Natur draufsteht, ist auch wirklich Natur drin.



   

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