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Heilpraktiker-Honorar

Fragen zur Ausbildung, Erfahrungsaustausch mit anderen, Lernhilfen...

Moderatoren: Angelika, Ernst

antsche
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Heilpraktiker-Honorar

Beitragvon antsche » 10. Mai 2005, 00:00

Hallo Leute, z.Zt. voll in der Planung für eine Praxis-Gründung, taucht bei mir natürlich auch die GELD-FRAGE auf. Vielleicht können mir (und auch anderen Frischlingen) erfahrene HPs einen Rat dazu geben!?
Leider erhalte ich dazu in meinem HP-Bekanntenkreis irgendwie nur vage Auskünfte oder es werden Beträge genannt, die ich so ein bisserl für überhöht halte. Kurz: Ich bin völlig verunsichert und weiß nicht so recht, wie ich kalkulieren kann/sollte/muss. Ist es zu wenig, für eine Erstbehandlung "nur" 45 Euros zu verlangen (andere halten 80 und mehr für normal), wie kalkuliert man eine Massagestunde, wie, wenn man kurz eine Spritze (mit oder ohne Medikament), nur ein Rezept o.ä. gibt. Wie kalkuliert man den tatsächlichen Aufwand? -?)
Wo kann man da Anhaltspunkte oder Ratschläge finden, damit man nicht gleich am Anfang zu grosse Fehler macht? Und nur so aus dem Bauchgefühl heraus klappt das - glaube ich - nicht! :oops:
Mir hat mal ein alter HP-Haudegen gesagt, dass es nicht die schlechtesten HPs sind, die auch ans Geld denken! Deshalb versuche ich halt mal, hier einen Thread dazu zu eröffnen.
Vielleicht hat ja auch jemand einen Link oder Tipp zu Literatur dazu?
Danke Euch im voraus, antsche


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Ernst
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Beitragvon Ernst » 10. Mai 2005, 00:52

Puhh, da stellst du aber eine sehr schwierige Frage.
Zunächst einmal ist ganz klar, dass sich eine Praxis auch betriebswirtschaftlich rechnen muss. Und dazu gehört nicht nur dass all deine Kosten gedeckt sein müssen, sondern du dir auch die Möglichkeit geben musst jetzt oder später investieren und expandieren zu können.

Ebenfalls in die Kalkulation einfliessen, sollte die Vergütung deines unternehmerischen Risikos. Denn dein bisher eingesetztes Kapital - welches du bisher in die Praxis gesteckt hast - muss sich doch zumindest in gleicher Weise erhöhen, als hättest du es in der freien Wirtschaft gutverzinzlich investiert.
Und last but not least muss deine eingesetzte Zeit honoriert werden - also auch noch ein Unternehmerloh dabei herausspringen. Zumindest das - was du in der freien Wirtschaft in der gleichen Zeit verdient hättest.

Ob das alles bei deinen 45 Euro für eine Erstbehandlung herauskommt lässt sich schwer sagen.

Wenn du verantwortungvoll behandelst, gehe ich bei einer Erstanamnanese von mindestens 1 Stunde Zeit aus.
Also ein Stundenlohn von 45 Euro.
Nun - das mag für manch einen nach einem recht guten Stundenlohn klingen.
Aber lasst uns einmal folgende Rechnung aufmachen, welche ich der Monatszeitschrift des Berufsverbandes der "freien Heilpraktiker entnommen habe:

Angenommen du hast folgende Kosten :
Miete, Heizung, Strom, Wasser 750,- x 12 = 9.000,- im Jahr
Versicherungen, Haftpfl. usw 416,66 x 12 = 5.000,- im Jahr
Abschreibungen Ausstattung, Geräte 250,- x 12 = 3.000,- im Jahr
Andere Kosten Tel. Porto Fortbildung usw. 583,33 x 12 = 7000,- im Jahr

Das ergibt 24.000,- Fixkosten im Jahr

Wieviel Stunden im Jahr willst du arbeiten? Wenn du 3-4 Stunden am Tag arbeitest ergibt das ungefähr 1.210 Stunden im Jahr

Um also deine Fixkosten zu decken musst du deine Kosten durch die Stunden teilen, also 24.000 / 1.210 und erhälst dann den Stundenlohn den du benötigst um deine festen Kosten für die Praxis zu decken. In diesem Fall wären das 19,83 Euro.

Damit hast du aber noch keinen einzigen Cent verdient.

Also überlege dir einmal wieviel du im Monat verdienen möchtest um dein privates Leben zu finanzieren. Vergesse dabei bitte nicht an Rücklagen für schlechte Zeiten zu denken. Und krankenversichert und rentenversichert solltest du ja auch sein, oder?
Gehen wir einmal davon aus dass du dafür 3.500 Euro monatlich benötigst (eine durchaus realistische Zahl).
Dann sind das 42.000 Euro im Jahr.

Nun - die müssen aber auch noch versteuert werden. Herr Finanzamt wird auch noch seinen Tribut von deinem Einkommen fordern. Also müssen wir den auch noch mit raufrechnen. Ich weiss jetzt nicht wie hoch dein Steuersatz ist (den kannste bei deinem Steuerberater erfragen), aber gehen wir einmal davon aus, dass dieser 20% beträgt. ,
Die müssen wir dann noch auf deinen gewünschten Nettogewinn draufschlagen (42.000 x 100) / (100-20) und das ergibt dann
52.500,- Bruttogewinn im Jahr
die erwirtschaftet werden müssen um deinen gewünschten Gewinn zu bekommen.
Das geteilt durch die Stunden die du arbeiten möchtest (in unserem Beispiel waren das ja 1.210) ergibt einen
Stundensatz 43,39 pro Stunde den du haben musst um auf deinen Gewinn zu kommen.

Jetzt rechne noch den Stundensatz hinzu den du benötigst um die festen Kosten zu decken (das waren ja 19,83) und du kommst auf einen Stundensatz von 63,22

Du musst diese Rechnung nicht als für dich verbindlich sehen. Die Zahlen waren reine Beispielwerte. Hier ging es nur darum den Rechenweg aufzuzeigen, wie man am besten seinen Stundensatz berechnet.
Setze einfach einmal die Zahlen ein, die für dich gelten und rechne dir das durch.

Es gibt aber auch noch die Möglichkeit nach der GebüH (z.B. hier http://www.heilpraktiker-online.com/kos ... dnung.html) abzrechnen, der Gebührenordnung für Heilpraktiker.
Hier wird nicht nach Stunden abgerechnet sondern nach Leistung.
Du bist nicht verpflichtet diese zu nehmen - Du kannst auch deinen Stundensatz anrechnen. Wie du aber abrechnest musst du im Vorwege mit deinen Patienten eindeutig klären.

Ich hoffe dir ein wenig geholfen zu haben, rate dir aber dringend einen betriebswirtschaftlichen Grundkurs zu besuchen oder dir einen Steuerberater oder Unternehmensberater zu suchen der dich in diesen Angelegenheiten gut berät.
Denn ansonsten gehörst du vielleicht auch bald zu den vielen Heilpraktikeren die zwar sehr gute Heilpraktiker sind - aber schlechte Kaufleute und daher ihre Praxis schneller schliessen mussten als ihre Ausbildung gedauert hat.
Grüße von der Waterkant
Ernst

Die Intelligenz läuft mir ständig nach - Aber ich bin schneller

Helga Ro.

Beitragvon Helga Ro. » 10. Mai 2005, 13:18

hi antsche,

ich kann Ernst nur zustimmen, zwar habe ich (noch) keine Erfahrung was Heilpraktikerpraxen angeht, da ich noch in der Ausbildung bin, aber ich komme aus dem kufmännischen und Dienstleistungsgewerbe und kann aus eigener Erfahrung nur ganz dringend anraten sich vorher gründlich zu informieren und ganz genau zu kalkulieren damit der Kostenplan stimmt. Die hierfür investierte Zeit lohnt sich in jedem Fall.
Es gibt auch ganz gute Lektüre und auch Gründerseminare und wie Ernst schon schrieb betriebswirtschaftliche Grundkurse, die von den Kammern, Volkshochschulen und verschiedenen Verbänden angeboten werden. Auch wenn sie nicht unbedingt das Thema "Heilpraktiker" zum Inhalt haben sind die Grundlagen und Voraussetzungen meistens sehr ähnlich: Investition, Abschreibung, Finanzplanung, Deckungsbeiträge, Cash Flow ecc..... klingt kompliziert ist es aber nicht wirklich.

Machs gut :wink:
Helga

antsche
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Beitragvon antsche » 10. Mai 2005, 15:39

Ich danke Ernst recht herzlich, danke auch Helga! Dass das ein nicht zu unterschätzender Faktor ist, ist mir ja klar! Ich denke, dass da früher oder später jeder drauf kommt (kommen muss).
Wie ich jedoch immer wieder in Gesprächen feststellen musste, wird (besonders von Neulingen) dieses Thema mit sehr viel Vorsicht - ja sogar "Ablehnung" (mir fällt keine bessere Beschreibung ein) - behandelt.
Ich glaube, dass da im Hintergrund so eine Idealvorstellung herumgeistert, dass ein HP mit Geld nicht so viel zu tun haben sollte und man die Patienten eigentlich sogar am liebsten kostenlos behandeln würde. Ich werde auch immer so ein bißchen pikiert angeguckt, wenn ich die Sprache auf Honorare, Kosten, Kalkulation bringe.
Deshalb auch nochmals herzlichen Dank für Eure offenen Statements. Ich werde mich also außerhalb des Kollegenkreises mal umtun müssen.
Vielleicht gibt es ja noch ein paar mehr Meinungen zu diesem Thema?

Gruß an alle, antsche

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Alchemilla
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Beitragvon Alchemilla » 10. Mai 2005, 16:09

Hallo antsche,

ich kann Dir leider nicht mit eigenen Zahlen dienen, da ich auch noch in der Ausbildung bin, gehe aber komplett mit Ernst konform, was die Herangehensweise betrifft!
Geld verdienen im Sinne von "Honorar verlangen" sollte kein Tabuthema sein, ist es aber leider wirklich im HP-Kreis, ich habe da leider auch noch keine eindeutige Antwort bekommen.
Fakt ist, dass wir unsere Patienten angemessen betreuen wollen und dass so etwas eben auch Geld kostet. Nun kann niemand von Dir verlangen, dass Du mal eben sämtliche Investitionen tätigst, ohne je eine Chance auf Wiedererlangen der invesitierten Gelder zu haben. Und: Gewinnerzielungsabsicht an sich ist noch lange nicht ehrenrührig!

Ich weiß von 2 HPs (beides Homöopathinnen), die beide über Patientenzulauf nicht zu klagen haben und beide handhaben das Honorar sehr unterschiedlich: die eine hat ihre Praxis in einem gutsituierten Künstlerdorf hier in der Nähe, hier wohnt eher das gutverdienende Klientel, dass sich ihr Honorar auch leisten kann. Ich meine, dass sie 90 Euro nimmt für die homöopathische Anamese. Bei Folge-Behandlungen dann 45 Euro. Die Patienten zahlen es aber dort!

Eine andere (schon etwas betagtere und alteingesessene HP) nimmt für Folge-Behandlungen dagegen nur 20 Euro und baut sehr auf ihre "Stamm-Patienten", auch die Rechnung geht für sie auf! Ihre Praxis liegt nicht in einer "chicen" Gegend, sondern mitten auf dem Land. Und auch wegen ihres vergleichweise günstigen Honorars hat sie viel Zulauf von Müttern mit Kindern und auch älteren Landbewohnern ("Wat schall ik jümmer so weet to´n doktor loppen,de Heilpraktikerin giv mi so´n paar vun den Kugelns un dann geiht mi dat meestens wedder gout!":)) Und die sind ja sonst meist eher etwas zurückhaltender sind bei HPs...

Ergo denke ich, dass man auf jeden Fall auch den Standort der Praxis in die Kalkulation mit einbeziehen soll- eher strukturschwach oder eher wohlhabend? Eher ländlich oder vielleicht mitten in der Stadt? Möchte man auf jeden Fall versuchen, viele Patienten aus dem eigenen Stadtteil gewinnen oder baut man lieber ohnehin auf Mund-zu-Mund-Propaganda, stadtteilübrgreifend?

Meine Dozentin meinte zu dem Thema noch, dass sie ihre Honorare auch von den Patienten selber abhängig macht- wenn sie weiß, dass das Geld nicht so locker sitzt, setzt sie ihr Honorar eher am unteren Limit an. Weiß sie, dass es finanziell eigentlich gut um den Patienten steht, eher am oberen Level. "Stammpatienten" zahlen natürlich auch weniger. Also quasi eine Mischkalkulation, die ich persönlich ganz gut finde.
Leider nennt auch sie keine konkreten Zahlen, aber die bekomme ich irgendwann schon heraus :P :D
Das Manko bei dieser Herangehensweise ist natürlich noch (sollte nicht unerwähnt bleiben), dass man als HP natürlich nicht immer wissen kann, wie die wirtschaftliche Lage des Patienten ist...

Wünsche Dir weiterhin viel Glück bei Deiner Entscheidungsfindung und viel Glück und Spaß bei der Praxisgründung!
Grüße aus dem Norden :-)

Helga Ro.

Beitragvon Helga Ro. » 10. Mai 2005, 16:48

Hi antsche,

da magst du wohl recht haben, dass niemand so wirklich mit der Sprache rausrückt :eek: ist aber in anderen Berufsparten und Bereichen auch so. Besonders Freiberufler und Unternehmer, die nicht an feste Gebührenordnungen gebunden sind, scheinen ein Geheimnis aus ihren finanziellen Forderungen zu machen :eek:
Ist eben top sicrit 8)

Helga :razz:


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Mausbärin
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Beitragvon Mausbärin » 11. Mai 2005, 11:16

Hallo alle zusammen,

warum fragt ihr nicht statt Eurer Kollegen einfach mal deren Patienten ?

Die wissen nämlich, wieviel sie beim wem wofür bezahlt haben !

Beispiel 1:

Homöopathie und Hypnose
( s e h r ländlich gelegen, praktiziert "in der eigenen Wohnung" )
Erstanamnese : 120€ (dauert 4-6 Stunden !!!)
Folgebehandlung: 30€ (dauert ca. 1 Stunde )
Hypnose: 60€ ( dauert 1,5 - 3 Stunden )

Beispiel 2:

Gesprächstherapie, systemische Therapien
(ländlich gelegen, praktiziert "in der eigenen Wohnung" )

Honorar / Stunde: 50€ bei Einzelsitzungen

Mischkalkulation bei Gruppen z.B. Familienstellen-Tagesseminar
Preis pro Person: 100€

Beispiel 3:

Phytotherapie, Aromatherapie, Hypnosetherapie
( s e h r ländlich gelegen, praktiziert "in der eigenen Wohnung" )

Erstanamnese incl. Hypnose (1,5 Stunden) 50€

Beispiel 4:

Radionik, Chirotherapie, Magnetfeld, Kinesiologie
( Praxis im Stadtzentrum von Aachen )

Erstanamnese: 70€ ( 1-1,5 Stunden)
Folgebehandlung: 40€ ( 0,5 Stunden)

Diese Preise wurden tatsächlich bezahlt !
Natürlich müßt ihr trotzdem Eure Kalkulation schon selber machen.


Viele Grüße
Ines

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Bienchen
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Beitragvon Bienchen » 11. Mai 2005, 17:16

Mausbärin ,die Preis edie du da bezahlt hast sind Horror.
Und sorry Ernst aber deine Rechnung hinkt.
Ich bin HP und mein höchster Stundensatz sind 40€ nur mal so nebenbei und ich kann davon gut leben.Man muß sich zunächst eine preisgünstige RAUMGELEGENHEITsuchen. Am Anfang reicht ein Raum ,Toilette,Waschgelegenheit,nach Möglickeit in Parkplatznähe.Kriegt man schon für ca. 200-250€.Strom ca 15€,Wasser 10€,Versicherung 200€pro Jahr (solche Anbieter gibt es).Sind ca 300€ Unkosten am Anfang.Also ca. 8 Behandlungen.Diese Summe ist machbar und auch für Anfänger verdienbar.Dann je nach Kassenstand erweitern ,eins nach dem Anderen.Geräte kann man gut auch gebraucht bekommen und eine Praxisliege für ca. 10-20€ gebraucht von Krankenhäusern,mußt mal rumtelefonieren.
Genauso habe ich es auch vor 6 Jahren gemacht.Falls möglich gib deine Arbeit noch nicht auf ,sondern mach es erst mal Nebenberuflich,dann ist deine Existens gesichert und du kannst dir Zeit lassen.Denn die wirst du brauchen.
Verlass dich nícht auf andere,mach deine eigenen Fehler.

lebensblüte
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Beitragvon lebensblüte » 11. Mai 2005, 17:51

Hallo Antsche,
ich habe seit 8 Jahren eine homöopathische Praxis und berechne nach folgenden Modi:
- Erstanamnese Erwachsene (2 Stunden) 135 €, Kinder bis 14 J. 80 €
- Folgesitzung: 60 Minuten 45 €, 30 Minuten 30€.

Bei Privatversicherten berechne ich pro Sitzung 41, € (Gebührenordnung f. Heilpraktiker, Ziff.2) und für die Erstanamnese 123 € (3x Ziff.2, wegen erhöhtem Zeitaufwand).

Eine Kostenkalkulation ist notwendig, hängt aber auch von Deinen Therapieformen ab-und viele Geräte sind nunmal teurer, als ein Repertorisationsprogramm. Wichtig ist es auf alle Fälle sich vorher darüber Gedanken zu machen- Preiserhöhungen sind schwierig.

Gerade zu Anfang kannst Du an Mietkosten enorm sparen und auch eine Praxisgemeinschaft ist für die ersten zwei Jahre oft sinnvoll. Wichtig ist, dass Du zwei Jahre durchhalten kannst, denn es dauert bis sich eine Praxis eingelaufen hat (auch hier entscheidet das natürlich die Therapieformen mit. Homöopathische Patienten kommen einmal im Monat).

Vielleich hilft Dir das weiter.
Viele Grüße aus dem kalten Hannover,
Lebensblüte

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Ernst
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Beitragvon Ernst » 11. Mai 2005, 18:47

Und sorry Ernst aber deine Rechnung hinkt.
Sorry Bienchen - aber meine Rechnung hinkt keinesfalls.

Wenn du meinen Artikel vollständig gelesen hättest, dann hättest du auch gelesen dass es sich lediglich um ein Rechenbeispiel gehandelt hat, und die Zahlen auf die individuellen Bedürfnisse angepasst werden müssen.

Es ging mir lediglich darum aufzuzeigen, wie man seinen eigenen Stundenlohn ermittelt.

Wenn du also viel geringere Raumkosten hast, und du deinen Unternehmerlohn geringer ansetzt als ich es in dem Beispiel getan habe (und wirklich selbstkritisch alle Faktoren dabei bedacht hast), kann es selbstverständlich durchaus sein das dein Stundensatz geringer ausfällt als der in meinem Beispiel berechnete.

Meine Rechnung ist also genauso wie die deine aufgemacht - Nur mit anderen (fiktiven) Zahlen und mit dem wichtigen zusätzlichen Faktor das ja auch noch etwas verdient werden muss und nicht nur die Kosten gedeckt werden müssen - Und deshalb "hinkt" die Rechnung keinesfalls. Nehmt sie bitte nur als Musterbeispiel um zu sehen welche Faktoren mindestens berücksichtigt werden müssen und wie diese in eine Berechnung einfliessen müssen.

Übrigens in deinem Beispiel ist es richtig dass du 8 Behandlungen a´40,- im Monat benötigst um die 300,- Fixkosten zu decken. Aber damit hast du noch keinen Pfennig verdient. Dein Unternehmerlohn ist da nicht mit drinnen.
Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten um die Wurst in den Kühlschrank zu bekommen und sich auch einen Urlaub gönnen zu können.
Entweder du erhöhst den Stundenlohn - oder du machst erheblich mehr als 8 Behandlungen im Monat.
Genau solche Rechnungen - wie die von dir - sind es aber die viele Berufsanfänger dazu verleiten zu glauben:
"Super - Da hab ich nur 300,- Kosten im Monat und ich brauch dafür nur 8 Behandlungen. Das ist doch babyleicht zu schaffen. " Die Pleite ist dabei vorprogrammiert

Was sehr sehr wichtig ist, ist dass man keine Pi + Auge Berechnung durchführt und sich wirklich über alle Kosten im Klaren ist die auf einen zukommen.
Das wird leider allzu häufig bei den meisten Existenzgründern übersehen. Nichtehrlichkeit sich selbst gegenüber und ein damit einhergehender Selbstbetrug sind die häufigsten Gründe bei Firmeninsolvenzen. Das gilt genauso für Tischler und Kaufleute als auch für Heilpraktiker.
Grüße von der Waterkant
Ernst

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Bienchen
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Beitragvon Bienchen » 12. Mai 2005, 10:33

Reg dich nicht auf Ernst.
Jede Praxis braucht eine Anlaufzeit.In der geht es in erster Linie darum ,die Kosten der Praxis reinzubekommen.Das ist schon schwer genug.Wenn du dann als Neuling auch noch mit hohen Preisen kommst(im Unglücksfall höher als die Alteingesessen HP) dann bist du gleich weg vom Fenster.Darum ja mein Tipp,den alten Job erst mal zu behalten.Dann ist der Unterhalt gesichert.Man kann dann in aller Ruhe einen Patientenkreis aufbauen und obendrein zu moderaten Preisen arbeiten.Dann hast du auch immer eine Wurst im Kühlschrank und das Brot und die Butter obendrein.
Wenn Anfänger deine Rechnung lesen könnten sie geschockt sein ,denn die Summen sind dann noch eine Illusion.
Mit meiner Rechnung ist die Pleite eigentlich ausgeschlossen.Denn so kann man ohne Schulden zu machen oder Kredite aufzunehmen in Ruhe starten und auch nachts noch schlafen.Aller Anfang ist schwer und keiner der Heilpraktiker hat gleich zum Anfang die Festkosten und ein fettes Honorar.Die Festkosten kann ich nur bedingt ändern und einsparen,das einzige Sparpotential liegt in der ersten Zeit im Honorar( nicht beim Preis der Behandlungen,die sind auch abhängig von der Zahlunghsfähigkeit der Gegend in der du lebst,sondern bei dem was du dir selbst zurückbehältst vom Gewinn),ist halt so.Wenn ich da mit dem Selbstbehalt gleich am Anfang zu hoch ansetze,gehe ich kaputt.Perspektivisch kann ich es dann mit steigendem Umsatz erhöhen und Überschüsse investieren,aber am Anfang ist erst mal eine Durststrecke die es durchzuhalten gilt.

Lotusblüte,warum nimmst du bei Privatversicherten weniger Gebühren????
Sind die gesetzlich Versicherten nicht auch so schon genug gestraft.Oder liegt es daran ,dass die privaten Kassen dir nicht mehr zahlen?
Verlass dich nícht auf andere,mach deine eigenen Fehler.

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Beitragvon mandragora » 12. Mai 2005, 12:03

Dicker fetter Rat von mir ;) - wenn möglich besuche ein Seminar zu diesen Abrechnungsfragen. Das wird möglicherweise auch nicht alle Zweifel ausräumen, aber doch einen großen Teil.

Liebe Grüße
mandragora
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Ernst
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Beitragvon Ernst » 12. Mai 2005, 13:54

Also, ich will hier wirklich keinen Grundsatzstreit vom Zaun brechen, aber so kann ich deinen Kommentar wirklich nicht stehen lassen Bienchen.

Erst einmal rege ich mich gar nicht auf. Ich versuche lediglich als Kaufmann die Existenzgründer vor dem größten Fehler, nämlich dem des eigenen Selbstbetrug, zu warnen und ihnen einen vernünftigen Weg aufzuzeigen wie sie ihren ganz eigenen und persönlichen Stundensatz berechnen. Keinesfalls habe ich ihnen irgendeinen verbindlichen Stundensatz ausgerechnet.

Deshalb dann noch einmal und langsam zum mitlesen und schreiben:
Meine Rechnung ist keinesfalls illusorisch. Sie ist lediglich eine Beispielrechnung die nur den Rechenweg aufzeigen soll um seinen ganz persönlichen Stundensatz zu ermitteln.
Häng dich doch nicht ewig an den Zahlen auf, sondern ersetze diese einfach mit deinen eigenen. Und dann kann es sehr gut sein, dass du mit einem geringeren Stundensatz auskommst.

Wenn übrigens hier eine Rechnung hinkt, dann ist es deine. Denn du gehst vom fiktiven Fall aus, dass der Existenzgründer mit seiner Praxis nur die Kosten erwirtschaften soll - und den Lebensunterhalt mit seiner Festanstellung und dem daraus erzielten Gehalt.
Gut und schön - wenn das geht. Aber die meisten Firmeninhaber erlauben in der Regel keine selbständige Nebentätigkeit. Deshalb ist es daher schon für viele nicht möglich eine Praxis nebenher zu führen.
Häufig machen sich ja auch HP´s aus der Arbeitslosigkeit, aus der Hausfrauenschaft heraus oder nach einer Umschulung selbständig. Und schon geht deine schöne Rechnung leider nicht mehr auf. Diese dürfte also nur für einige wenige Gültigkeit besitzen. Und zwar für die, die es sich finanziell und zeitlich leisten können eine Praxis erst einmal nebenbei zu führen.

Und Bienchen, dann noch einmal einen Tip:
Gehe doch einmal mit deiner Vorgehensweise zu einer Existenzgründungsberatung oder zu einer Bank und lege diesem deinen Marketingplan / Buisinessplan vor. Vielleicht willst du ja einmal einen Kredit haben oder willst dich einfach nur beraten lassen. Da wird man dir mit absoluter Sicherheit - genau das sagen was ich hier geschrieben haben. Denn genau so wird der persönliche Bedarf errechnet. Das ist dass betriebswirtschaftliche 1*1, welches alle Selbständigen einfach beherrschen müssen. Und wenn sie es nicht tun, dann sollten sie sich zumindest entsprechende Hilfe und Rat holen.
Deshalb verstehe ich überhaupt nicht - warum du so vehement gegenan gehst. Ich habe 25 Jahre Erfahrung mit der Selbständigkeit und mit diversen Exitenzgründungen. Ich weiss mit sicherheit wovon ich rede und habe hier nur einen minimalen Ansatz zum Nachdenken und zur Hilfestellung gegeben. Jeder kann doch damit machen was er will.
Grüße von der Waterkant
Ernst

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Marie Luise
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Beitragvon Marie Luise » 12. Mai 2005, 14:10

Zum Auflockern erstmal zwei extreme Beispiele, zu denen sich jede/r selbst was denken kann:
ein alter kompetenter seit ewig eingeführter HP im ländlichen Raum hat ein SPARSCHWEIN in der Praxis stehen. Die Patienten stecken, was sie können, rein - da sie toll behandelt werden, stecken auch die Armen nach ihren Möglichkeiten was rein, und die Reichen klotzen voll mit ihren Belohnungen... Er schreibt also keine Rechnungen, sondern leert das Sparschwein....
Ein anderer junger, von dem ich gerade (empört, weils einer Kursteilnehmerin von mir danach extrem schlecht ging) hörte, schleust im Fließbandtakt mit Minuten dauernden Wirbelsäulenbehandlungen Patienten drei Tage die Woche durch die Praxis, von früh morgens bis spät abends, und fliegt dann immer für paar Tage in den Süden. Lässt sich nach den paar Minuten Behandlung 40 Euro bar auf die Kralle geben, macht keine Anamnese vorher, guckt nur mal kurz auf den Rücken und sagt"Ich weiß, was Sie haben...". macht keine Auswertung, kein Nachgespräch, usw. usw. , sahnt also einfach ab. Vielen hilfts kurzfristig, deshalb Zulauf, mnache gehen dran vor die Hunde (extrem verstärkte Schmerzen, bekommen nicht geholfen, bleiben dann weg und gehen wieder zum Arzt). 40 Euro für paar Minuten Schnelldurchlaufbehandlung ohne Drumrum!!!
Wer von den beiden HP-Beispielen das wirkliche Recht hat, sich echt HEILpraktiker zu nennen, braucht man wohl nicht zu diskutieren....

Empfehlenswert zum Thema sind die Schriften vom erfahrnen HP Harald Schicke. Dort auch, wie von vielen mit Erfahrung, die Empfehlung: wer ohne Geld ist, soll klein anfangen, am besten erstmal , wo das möglich ist, in der eigenen Wohnung., dann mit Hausbesuchen - Stück für Stück aufbauen, bloss nicht am Anfang große Kredite und große Ausrüstungen.-
Ansonsten ist hier alles Kluge schon gesagt.
Liebe Grüße Marlis

antsche
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Registriert: 10. Mär 2005, 23:43

Beitragvon antsche » 12. Mai 2005, 16:42

Hallo Bienchen,
also ICH für meinen Teil kann die Kalkulationen von Ernst gut nachvollziehen! Und gute Kalkulation hin und her: WO - um alles in der Welt - kriegt man 8 Behandlungen/Patienten im Monat her, wenn man neu ist? (Da ziehe ich auch hin)! ;)
Ich kenne neue HPs, die froh sind, dass im ersten Halbjahr wenigstens drei Patienten da waren.
Aber grundsätzlich sind wir uns alle wohl einig: Langsam, langsam und nicht überschnappen! Gut rechnen (wie z.B. Ernst), Geld sparen (wenn`s geht, schon vorher), fleissig sein, ein offenes Auge haben und GEDULD, GEDULD, GEDULD (nicht gleich aufgeben).
Werde mich als nächstes mal nach einem Existenzgründerseminar umsehen und meinen Steuerberater interviewen.
Tschö, antsche



   

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