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Wildkräuter + Fuchsbandwurm

Allgemeines zum Thema Pflanzen

Moderatoren: Angelika, MOB

Kaya
Beiträge: 1
Registriert: 19. Jul 2005, 11:22

Wildkräuter + Fuchsbandwurm

Beitragvon Kaya » 19. Jul 2005, 11:37

Huhu,

da ich gerne Wildkräuter sammeln würde, bin ich etwas verunsichert, was den Fuchsbandwurm angeht.

Es wird ja vor dem Sammeln gewarnt.
Viele Kräuter sollte man ja auch nicht unbedingt waschen.

Der Bandwurm wird wohl nur durch hohe Temperaturen unschädlich gemacht :(

Kennt sich jemand damit aus?
Liebe Grüße

Su


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Chrissie
Beiträge: 398
Registriert: 30. Apr 2003, 13:12

Beitragvon Chrissie » 19. Jul 2005, 15:28

Die Gefahr besteht nicht nur bei Wildkräutern.
Weißt du ob über den Salat im Restaurant ein kranker Fuchs gelaufen ist?
In Gebieten die dafür bekannt sind würde ich auch nichts sammeln.
Aber ein Restrisiko bleibt immer bestehen.
Soweit ich weiß besteht aber die Gefahr einer ernsthaften Krankheit nur für Menschen mit schwachem Imunsystem.
Summasummarum will ich sagen, das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Und ich habe mich entschieden, ich esse das Zeugs was ich sammel.
Das einzige was wirksam gegen Fuchsbandwurm hilft, ist das Kochen der gesammelten Sachen, das macht nicht bei allen Dingen Sinn.
Ich hatte sogar schon einen Fuchs im Garten (ich lebe zwar im Dorf, aber doch in ausgeprägten Wohngebiet), ich denke wirklich sicher sein kann man da nirgends.
LGs
Chrissie
lerne klagen ohne zu leiden

emil_equus
Beiträge: 71
Registriert: 4. Jan 2005, 12:47

Beitragvon emil_equus » 19. Jul 2005, 15:53

Sodala,

der Mensch stellt im Entwicklungszyklus des Fuchsbandwurmes zwar einen Fehlzwischenwirt dar, da die Infektion nicht an den Endwirt weitergegeben wird, allerdings findet in den Organen eines infizierten Menschen, vornehmlich in Leber, Lunge und Gehirn eine Finnenentwicklung statt, die das Krankheitsbild der alveolären Echinokokkose bedingt. Dabei entsteht ein Netzwerk von Röhren in den befallenen Organen, die Finnen breiten sich wie Metastasen aus, wodurch diese Organe schleichend, aber weitgehend zerstört werden. Die Erkrankung wird meist erst zehn bis zwanzig Jahre nach der Infektion bemerkt, unter anderem, da die Symptome im Falle eines Befalls der Leber Ähnlichkeit mit einem Leberkarzinom oder einer Leberzirrhose besitzt. Durch die starken Zersetzungen in den betroffenen Organen sind Operationen kaum durchführbar. Eine Heilung ist kaum möglich - die alveoläre Echinokokkose ist die am häufigsten zum Tode führende Wurmerkrankung des Menschen - es sind nicht nur immunsupprimierte Menschen gefährdet!

Die Vermeidung bzw. Reduzierung von Infektionsrisiken ist daher besonders wichtig.
An Kräutern, Früchten und Beeren aus Bodennähe (weniger als 60 bis 80 cm über dem Boden) oder Pilzen können möglicherweise Bandwurmeier anhaften. Es wird vermutet, dass sie eine gefährliche Ansteckungsquelle für den Menschen sein könnten, der konkrete Nachweis steht allerdings noch aus und ist wegen der langen Inkubationszeit auch schwierig. Es wird empfohlen, sie niemals ungewaschen zu essen. Tiefgefrieren reicht nicht aus, wenn die Möglichkeit besteht, KOCHEN!

Es werden momentan sehr viele Forschungsarbeiten über die Urbanisierung von Füchsen gemacht - so ist es z.B. in Stuttgart ganz normal, dass Füchse durch die Stadt und Gärten streunen - es bemerken nur wenige - und so ist es sehr oft der Fall, dass Fuchskot in Gärten gefunden wird, der z.Z. mit E. multilocularis-Eiern kontaminiert ist. Auch am Max-Eyth-See in Stuttgart halten sich viele Füchse auf - Leute lassen ihre kleinen Kinder auf der Wiese zwischen dem Fuchskot spielen weil sie es schlicht und einfach nicht wissen...
Auch in München und weiteren Großstädten wurden hierzu Untersuchungen gemacht - Füchse sind also nicht mehr "ländlich".


Grüßle!

mabel
Beiträge: 54
Registriert: 16. Okt 2003, 08:19

Beitragvon mabel » 20. Jul 2005, 11:54

Hallo zusammen,

ich denke die Gefahr sich mit dem Fuchbandwurm zu infizieren sollte man doch mal in die richtige Relation setzen!

Nach meinen Informationen (von einer Botanikerin und Ethnobiologin, die Kräuterseminare und Ausbildungen anbietet) ist es letztes Jahr lediglich zu 46 Neuerkrankungen gekommen.

Am meisten betroffen sind Landwirte, und der Hauptübertragungsweg ist wahrscheinlich der aufgewirbelte Kot bei der Heu- oder Getreideernte, meines Wissens ist die Erkrankung am Fuchsbandwurm bei den Landwirten sogar als Berufskrankheit anerkannt.

Der Normalbürger infiziert sich nicht ausschließlich an den berüchtigten Himbeeren am Waldrand.
Der Fuchs ist überall :o , ich lebe hier auf dem Land, er durchstöbert nachts das ganze Dorf, ist auf Erdbeerfeldern, in Gärten, in den Freiflächen der Gärtnereien und einfach überall unterwegs.

Was sollte man denn da alles als Vorsichtsmaßnahme vom Speisezettel streichen?

Außerdem muss wahrscheinlich das Immunsystem geschwächt sein, oder man muss kleine Wunden im Verdauungstrackt haben, damit eine Infektion überhaupt stattfinden kann.

Dann kann diese Infektion die ja ziemlich lange und schleppend verläuft, bei einer Blutuntersuchung festgestellt werden, die ja doch ziemlich jeder irgendwann mal machen lässt, vor allem wenn man sich nicht wohl :( fühlt.
Die Krankheit verläuft, wenn sie erkannt ist nicht mehr unbedingt tödlich, man muss zwar lebenslänglich Medikamente nehmen, ist aber durchaus noch arbeits- und lebensfähig. Und die Forschung arbeitet ja weiter dran, manchmal lobe doch auch ich den Fortschritt :oops: !

Also soweit meine Information, ich bin zwar nicht aus dem medizinischen Fach, aber uns wurde versichert, dass wir diese Informationen unseren Besuchern so weitergeben können!

Alles Liebe und weiterhin guten Appetit wünscht die mabel :D

emil_equus
Beiträge: 71
Registriert: 4. Jan 2005, 12:47

Beitragvon emil_equus » 21. Jul 2005, 00:03

Sollte jemand Fragen zu dem Thema haben kann er sich gerne an das Institut für Parasitologie der universität Hohenheim wenden. Die arbeiten auf diesem spannenden Gebiet.

Herbaline
Beiträge: 4
Registriert: 23. Jun 2006, 22:11

Fuchsbandwurm

Beitragvon Herbaline » 24. Jun 2006, 00:26

Ich habe mal einen Fernsehbericht über eine mit Fuchsbandwurm infizierte Patientin gesehen, die schon einige Operationen hinter sich gebracht hatte und langsam, aber sicher innerlich zerfressen wurde. Seither habe ich eine regelrechte Phobie davor entwickelt und ich wünschte wirklich, ich hätte die Sendung nicht gesehen.

Ich frage mich, wieso die passionierten Pilzesammler das schon seit Jahrzehnten überleben? Wird oft die falsche Diagnose gestellt (Leber)? Wie geht das, dass alle so gesund erscheinen, obwohl sie ihre Pilzkörbchen, die ständig auf dem Waldboden abgestellt werden, dann auf den Autositz stellen, von der Pilzbearbeitung in der heimischen Küche mal ganz zu schweigen?

Ich wohne in Bayern, wo (wie auch in Baden-Württemberg) die Füchse fast alle Bandwurm in sich tragen und habe für mich entschieden: keine Waldexpeditionen mehr, keine Waldfrüchte, keine Wildkräuter.
Man kann nicht alles schlechte vermeiden, aber mir ist einfach der Appetiti gründlich vergangen!


Sporler
Beiträge: 145
Registriert: 8. Jun 2004, 18:36

Beitragvon Sporler » 20. Jul 2006, 09:46

Nun ja schlussendlich bekommt man nur die Sicherheit wenn man Echinokokken Antikörper bestimmen lässt. Wenn man viel sammelt und ggf. Wald und Forstarbeiter ist ist es mit Sicherheit sinnvoll.

Problem ist ja auch wenn man es zu spät endeckt das es keinerlei Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Mich würde interessieren ob die Rizole eigentlich was bei Echinokokken ausrichten. Werde wohl mal Dr. Steidl anschreiben.

Gruß
Sporler

argonaut

Beitragvon argonaut » 12. Okt 2006, 20:41

ich habe eben mal im lexikon der essbaren wildpflanzen nachgeschlagen. dort heißt es, dass
  • zwischen 1993 und 2003 nur 20-25 menschen in deutschland neu erkrankt sind.
    nur etwa 10% bei exposition mit dem fuchsbandwurm erkranken
    in der landwirtschaft beschäftigte ein 20mal höheres risiko haben
    nie richtig nachgewiesen worden ist, dass die infektionsgefahr auch beim essen von wilpflanzen und pilzen besteht
abgesehen davon: viele felder mit getreide und gemüse liegen direkt an waldrändern. im prinzip dürfte man davon auch nichts mehr essen.

Vennhexe
Beiträge: 51
Registriert: 1. Okt 2006, 08:02

Beitragvon Vennhexe » 12. Okt 2006, 21:08

Du kannst den Fuchsbandwurm auch nur durchs Einatmen kriegen - gehst du deshalb nicht mehr in den Wald ?


LG, vennhexe
Eifelkräuter-Hohes Venn
"Es gibt Dinge, die man sieht, und Dinge, die man nicht sieht. Dazwischen gibt es Pforten......"(William Blake)

argonaut

Beitragvon argonaut » 12. Okt 2006, 21:57

eben, ich halte das ein wenig für panikmache.

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Angelika
Beiträge: 5635
Registriert: 3. Mai 2001, 02:00

fuchsbandwurm trocknen

Beitragvon Angelika » 26. Apr 2007, 15:23

Beitrag von shizendo verschoben


Anmeldungsdatum: 14.10.2006
Beiträge: 14

Verfasst am: 26 Apr 2007 14:51 Titel: fuchsbandwurm trocknen

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Hallo!

Hab hier schon ein bisschen zum Thema Fuchsbandwurm rumgelesen und trotzdem noch ne Frage?

Stirbt der wirklich ab wenn man die Kräuter ganz normal trocknet?
Hab auch gelesen dass man zuerst ganz normal trocknen soll und dann noch 4Stunden bei 70° in den Backofen. Was haltet ihr davon?

lg
shizendo



   

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