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Rechnung von Heilpraktiker überhöht

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funsurfer77
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Rechnung von Heilpraktiker überhöht

Beitragvon funsurfer77 » 30. Mai 2010, 07:50

Ich war Anfang des Monats bei einer Heilpraktikerin.
Ich habe Ihr von meiner Barmenia Zusatzversicherung erzählt.
Sie wollte eine Abrechnungsfähige Rechnung schreiben.
Ich hatte dann ein 1Stunde 20Min. dauerndes Gespräch.
Danach bekam ich ein paar Globolie.

Meine Frage:
Auf der Rechnung steht jetzt: Homöopatische Untersuchung 1St. 101Euro incl MwSt.

Ist das so korrekt?
Muss man nicht auf die entsprechende Position lt. Gebührenordnung f. Heilpraktiker verweisen?
Sind 101Euro nicht etwas viel? (Was ist angemessen / korrekt)
Vielen Dank für Euro Hilfe!


Vennhexe
Beiträge: 51
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Re: Rechnung von Heilpraktiker überhöht

Beitragvon Vennhexe » 30. Mai 2010, 08:57

Private Leistungen können frei berechnet werden - das ist nicht das Problem des Heilpraktikers oder Arztes.

Du gehst damit einen privaten Vertrag ein, der mit deiner Abrechnungsmöglichkeit nichts zu tun hat.

Bei Kassenleistungen (Kassenzulassung) ist das anders - da geht der Arzt einen Vertrag mit der Krankenkasse ein.

Ein HP hat aber niemals eine Kassenzulassung !


LG, die Vennhexe :cool:
Eifelkräuter-Hohes Venn
"Es gibt Dinge, die man sieht, und Dinge, die man nicht sieht. Dazwischen gibt es Pforten......"(William Blake)

funsurfer77
Beiträge: 8
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Re: Rechnung von Heilpraktiker überhöht

Beitragvon funsurfer77 » 30. Mai 2010, 16:25

Das beantwortet aber nicht meine Frage, ob der Preis angemessen ist.
...und gibt es wirklich keine unverbindliche Gebührenordnung?

rine
Beiträge: 1496
Registriert: 30. Aug 2006, 11:11

Re: Rechnung von Heilpraktiker überhöht

Beitragvon rine » 30. Mai 2010, 17:53

Es gibt eine Gebührenordnung. Wurde in dem Erstgespräch denn eine Anamnese gemacht? Daraus resultierend dann die Globuli? Für ein Erstgespräch ist das kein unnormaler Preis, weil der/diejenige ja erst einmal alles aufnehmen und auswerten muss.:ratlos:
Viele Grüße,
Rine

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Ernst
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Re: Rechnung von Heilpraktiker überhöht

Beitragvon Ernst » 31. Mai 2010, 10:18

Es gibt zwar die GebüH (Gebührenordnung für Heilpraktiker). Diese ist in den Preisen seit 1983 nicht angepasst worden (wurde durch das Kartellamt unterbunden). Im Gegensatz zur GÖA (Gebührenordnung für Ärzte) sind die HP´s aber nicht daran gebunden. Heilpraktiker sind grundsätzlich frei in der Preisgestaltung.
Ob der hier angegebene Preis von 101,- Euro für ca. 1,5 Stunden gerechtfertigt ist kann so nicht gesagt werden. Für überteuert halte ich ihn nicht. Ein Stundensatz von ca. 67,- Euro ist für einen Heilpraktiker vollkommen normal.

Was mich aber etwas wundert ist, dass der Rechnungsbetrag incl. Mehrwertsteuer ausgewiesen wurden. HP´s sind nämlich von der Umsatzsteuer befreit, wenn sie Krankenbehandlungen durchführen. Sollte es sich allerdings um keine Krankenbehandlung gehandelt haben, dann ist das Honorar in der Tat mit 19% umsatzsteuerpflichtig. D.h. in den 101,- sind schon mal ca. 20,- Euro für Vater Staat enthalten. Das echte Honorar würde also nur ca. 80,- Euro betragen.

Auch wenn die GebüH nicht bindend sind, so werden sie in Streitfällen von den Gerichten jedoch oft als Maßstab gesetzt, wenn der HP mit seinen Patienten keine anderweitige Vereinbarung getroffen hat. Der HP muss also seinen Patienten vorher (entweder schriftlich in einem Behandlungsvertrag oder mündlich) seine Preise mitteilen. Tut er das nicht, kann eine stillschweigende Einigung über eine allgemein gültige Taxe angenommen werden. Die einzige "allgemeingültige Taxe" ist allerdings die völlig veraltete GebüH, von der kein HP wirklich leben könnte.
Es ist übrigens vollkommen egal ob der Patient eine private / Zusatzversicherung hat. Denn er muss immer an den HP zahlen. Dieser wird nicht mit Krankenversicherungen abrechnen.

Gebüh Höchstsatz:
1. Für die eingehende, das gewöhnliche Maß übersteigende Untersuchung € 20,50
2. Durchführung des vollständigen Krankenexamens mit Repertorisation nach den Regeln der klassischen Homöopathie € 41,-
4. Eingehende Beratung, die das gewöhnliche Maß übersteigt, von mindestens 15 Minuten Dauer, gegebenenfalls einschließlich einer Untersuchung € bis 22,-

Hinzu können noch weitere besondere Leistungen kommen, so wie die Kosten für die Globulis. So weit weg ist die diskutierte Rechnung ja nicht von der GebüH.

Wenn es sich um einen guten HP handelt, wird er seinen Patienten eine ordnungsgemäße Rechnung ausstellen, die eine Diagnose nach den ICD-10 Schlüsseln enthält sowie den Verweis auf die entsprechenden Leistungsziffern der GebüH damit die Rechnung auch von den privaten Krankenversicherungen anerkannt werden können und diese möglichst viel erstatten.
Die meisten Krankenversicherungen erstatten aber ohnehin nur einen bestimmten Prozentsatz der GebüH (i.d.R 75%) und nicht des Rechnungspreises.

Ich hoffe hier ein bisschen Licht in das Dunkel der Abrechnung geschaffen zu haben.
Grüße von der Waterkant
Ernst

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funsurfer77
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Re: Rechnung von Heilpraktiker überhöht

Beitragvon funsurfer77 » 31. Mai 2010, 12:50

ja, diese Antwort hat mir sehr geholfen.

Ich hatte mich aber vertan: Dort steht nur "homäopatische Repertorsation" Betrag in Euro: 100; Leistungen werden nach GebüH abgerechnet.

...schon komisch, und ein Diagnose habe ich nicht bekommen.


McKloony
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Re: Rechnung von Heilpraktiker überhöht

Beitragvon McKloony » 16. Aug 2010, 15:31

Die Rechnung ist überhöht und juristisch nicht haltbar, wenn bestimmt Dinge im Vorfeld unterlasen wurden:

Der Vertrag zwischen Heilpraktiker und Patient ist frei gestaltbar und der Heilpraktiker muss sich nicht an das (oder ein) Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker halten (es heißt übrigens nicht Gebührenordnung, da keine Taxe wie die GoÄ).

Wenn er aber freie Preise vereinbart, ist er verpflichtet seinen Patienten vor Beginn der Therapie über seinen individuellen Preis aufzuklären und dieses am besten im Rahmen eines schriftliches Behandlungsvertrages. Unterlässt er dieses, so kann ein Patient nach Treu und Glauben davon ausgehen, nach den Punkten des GebüH abgerechnet zu werden.

Und das ist noch nicht alles. Da es leider kein allgemein gültiges Gebührenverzeichnis für HP gibt, sieht die Rechtsprecheng darüber hinaus auch noch vor, dass sich der HP dann auch noch an den sog. ortsüblichen Satz zu halten hat. Die Beweispflicht, was der ortübliche Satz ist, liegt beim HP.

Soweit die Rechtsprechung. Allerdings möchte ich an dieser Stelle auch noch einwenden, sich den Aufwand der Therapeutin (90 Min. wenn ich richtig gelesen habe) in Relation zu anderen Dienstleistungen zu betrachten.

Denn moralisch gesehen ist der Preis meines Erachtens schon gerechtfertigt. Ein Arzt (bzw. Chefarzt) würde für eine vergleichbare Leistung unwesentlich mehr verlangen.

medicus
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Re: Rechnung von Heilpraktiker überhöht

Beitragvon medicus » 20. Jan 2013, 19:12

Ich möchte an dieser Stelle als Heilpraktiker auch einmal etwas nennen was mir alltäglich mittlerweile auf die Nerven geht.

OK es geht nicht das der Heilpraktiker Dinge abrechnet die er nicht geleistet hat, aber rechnet er dann typische Dinge für einen HP ab, sind diese oftmals nicht wissenschaftlich anerkannt und werden nicht erstattet.

Meine Rechnungen beinhalten Leistungen die auch erbracht wurden, mit der Folge, die Kassen meckern, die Patienten meckern und ich darf mich ärgern obwohl ich ehrlich und nicht erhöht meine Rechnungen stelle. Ich sehe andere HP-Rechnungen die sind dreimal so hoch, aber mit Leistungen versehen die die Kasse erstattet - das finde ich schon unmöglich.

Aber gehen wir einen Schritt weiter, mittlerweile setzen Patienten voraus das man die Rechnung in Ihrem Sinne falsch ausstellt, fordern einen nahezu dazu auf, darüber hinaus nennen sie einem Familienmitglieder die privat versichert sind und man solle doch über diese, einem teilweise nicht bekannten Patienten, die Rechnung aufteilen.

Diese Erfahrungen machen immer mehr Kollegen und aus Gründen der Finanzen lassen diese sich darauf ein - hier liegt das Problem - wir werden vom Patienten zum Bettrug aufgefordert und er droht ggf. einen anderen HP aufzusuchen.

Diese Masche treibt die Kosten immer höher - ich kenne selbst Ärzte die so verfahren.

Seien wir doch mal ehrlich - die echten Privatpatienten sind diese - die sich behandeln lassen, ob mit oder ohne Erstattung - die Rechnung bezahlen so wie geleistet - und auch zufrieden wiederkommen.

Alle anderen sind vorsätzliche Betrüger an denen ich mich nicht bereichern möchte.

GerhardAltmann
Beiträge: 1
Registriert: 11. Okt 2013, 14:42

Re: Rechnung von Heilpraktiker überhöht

Beitragvon GerhardAltmann » 11. Okt 2013, 14:48


Alle anderen sind vorsätzliche Betrüger an denen ich mich nicht bereichern möchte.
Lustige Formulierung, sich an Betrügern bereichern, normal bereichern die sich doch an einem ;)

LG

gaga
Beiträge: 2
Registriert: 3. Mär 2019, 12:21

Re: Rechnung von Heilpraktiker überhöht

Beitragvon gaga » 3. Mär 2019, 12:30

Hallo,

ich setze unsere Geschichte mal hier rein in der Hoffnung, daß mir jemand antwortet.

Ein Familienmitglied ist aufgrund einer Tumorerkrankung (inoperabel) seit Sommer 2018 bei einem Heilpraktiker in Behandlung. Sie erhält dort alle 14 Tage Infusionen.
1. Tag Ferinjekt (50 mg) in 1/4 =Liter NaCl zusammen mit diversen Mittel von Heel und Sanum. Kosten 490 Euro. Darf er überhaupt Eisen per Infusion verabreichen?
2. Tag 250 mg Artenusat in 500 ml NaCl. Kosten 420Euro.
3. Tag 30 Gramm Vitamin C in 500 ml NaCl. Kosten 380 Euro. Zusätzlich nimmt er 60 Euro für Dunkelfeldmikroskopie und 180 Euro für die Auswertung per Radionik.
Er gibt ihr diverse Globulis 30 Euro pro Gabe, sagt aber nicht, was es ist. Außerdem hat er alle Wirkstoffe in seiner Praxis und keine Rezepte hierfür ausgestellt.

Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, rechnet er alles auf einem Blatt Papier zusammen ohne Rechnungs-Nr. und verlangt Barzahlung. Drei von diesen „Rechnungen“ haben wir noch.

Ich bin absolut entsetzt über soviel Unverfrorenheit.

Was können wir tun?

Liebe Grüße

Mailin



   

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